MNHMOƩYNH, Erinnerung, stand über dem Türsturz des Hauses zu lesen, zu dessen Eröffnung Aby Warburg am 6. Mai 1926 einige Freunde und „Korniferen“ der Hamburger Universität eingeladen hatte. Erinnerung war das Leitwort für Warburg, den Kunsthistoriker, der Kunst nicht als ästhetische Norm, sondern als soziales Gedächtnis begriff. Und deshalb auch von dem Geld, das die Brüder und Mitinhaber des Bankhauses Warburg dem Ältesten im Tausch gegen das Erbrecht und darüber hinaus überließen, keine Galerie baute, sondern eine „kulturwissenschaftliche Bibliothek“. Heilwigstraße 116. Zum Propheten, schrieb der Hausherr den Brüdern Paul und Felix in New York, habe es bei ihm nicht gereicht, aber zum „Seelenarchivar“ mit einem Sinn für das „bildhafte Element im Werden und Vergehen der Kulturen“.

Nein, Propheten waren sie nicht, aber Entdecker neuer Kopfwelten, Warburg und seine Freunde und Kollegen an der nagelneuen Hamburger Universität, Ernst Cassirer und die jungen Kunsthistoriker Panofsky, Wind und Tolnay, seine Mitarbeiter Said und Bing. Anfänge einer Geisteswissenschaft im Weltformat, made in Hamburg, ausgerechnet. Ein paar Jahre später vertrieben, vernichtet, verflogen.

Aby Warburg starb 1929. Die 60 000 Bände der Bibliothek schickte die Familie 1933 per Schiff die Elbe hinunter nach London, das seitdem ein weltweit gerühmtes „Warburg Institute“ hat. Das Haus in der Heilwigstraße wurde verkauft, ist heute vermietet an Werbefirmen. Aber heute ist gestern. Denn nach langjährigen Verhandlungen ist es jetzt der Stadt gelungen, das Haus zu erwerben. Einen Mäzen, mit dessen Hilfe eine Stiftung gegründet wurde, gibt es auch, mit den Zinsen des Stiftungskapitals können erste Kosten bezahlt werden. Weitere Stifter sind gesucht, um eine Warburg-Professur einzurichten, Symposien zu finanzieren und einen Arbeitsplatz zu schaffen für das Archiv der Politischen Ikonographie, mit dem Martin Warnke am kunsthistorischen Institut Forschung im Geiste Warburgs betreibt. Hamburg kann, wenn Glück. Geld und Geist so zusammenstehen wie die Brüder Warburg, wieder das haben, was der „Hebräer von Geblüt, Hamburger im Herzen und Florentiner der Seele“ eine „geistige Dauerheizung“ nannte. Petra Kipphoff