Gewehrt

Zu ihrem ersten Kongreß in Krakau hat sich die wohl merkwürdigste Dissidentengruppe aus dem Untergrund getroffen: Die „Bewegung des sexuellen Widerstands“ habe sich einst, so berichtet die polnische Zeitung Zycie Warszawy, darauf spezialisiert, „in das Eheleben kommunistischer Funktionäre einzudringen“. Dabei habe man deren moralische Heuchelei vor allem durch die Verbreitung des altindischen Liebeslehrbuchs „Kamasutra“ bekämpft. Mancher Hinweis daraus könnte sich auch für die Politik eignen, wie etwa dieser: „Böse sind die Folgen einer gewaltsamen Eroberung.“

Geprahlt

Ist Bernard Tapie ein Großmaul? Dieser Verdacht kam schon auf, als der französische Selfmademan und Politiker im Sommer 1990 die angeschlagene Turnschuhfirma adidas mit lauten Sprüchen und viel Geld aufkaufte. Das „Geschäft seines Lebens“ gab er Anfang des Jahres leise wieder ab. Nun klagte Tapie in einem Interview, er fühle sich verfolgt, wie die „Juden bei den Razzien während des Krieges“. Der Grund: Mit allen Mitteln versucht die Staatsanwaltschaft der Stadt Lille nachzuweisen, daß der Fußballclub Olympique Marseille einen Gegner bestechen wollte. Tapie ist Präsident des Europacupsiegers. Vielleicht bedarf es der großen Worte, um schließlich klein beizugeben.

Geehrt

Die Trauerfeier für den tödlich verunglückten Ernst Kahle, Generaldirektor der Münchener Rück in Johannesburg, wurde zu einer triumphalen Freundschaftsbekundung der etwa tausend versammelten Weißen und Schwarzen. Kahle hatte schon vor Jahren dafür gesorgt, daß Schwarze bei ihm leitende Manageraufgaben übernahmen. Und als nach Nelson Mandelas Freilassung der ANC nach Südafrika zurückkehrte, stellte er dem Heimatlosen im Gebäude der Münchener Rück die notwendigen Räumlichkeiten zur Verfügung. Dies alles hat ihm viel Kritik eingetragen und auch Behelligungen durch die Sicherheitspolizei, änderte aber nichts an seiner Haltung. Der Vizepräsident des ANC, Sisulu, nannte Kahle in seiner Rede „einen guten Sohn Afrikas“, und der große alte Kämpfer Beyers Naudé rühmte ihn als „Mann des Volkes“ – eines ungeteilten Volkes.

Gesucht

Das Deutsche Notärzte-Komitee Cap Anamur rüstet für neue Projekte und sucht Mitarbeiter. In Sarajevo braucht das Komitee einen Techniker, der Wasserrohre und Stromleitungen installieren kann. Ein Arzt mit Russischkenntnissen wird für eine Hilfsaktion in Tadschikistan benötigt. Für Minenräumprojekte in Kambodscha und im Nordirak werden Automechaniker und Sprengmeister gesucht. Interessenten können an das Komitee Cap Anamur schreiben (Kupferstraße 7, 53842 Troisdorf) oder anrufen (Telephon 02241/460 20).