Von Carl D. Goerdeler

Rio de Janeiro

In der mit Blattgold überladenen Klosterkirche von São Bento lauscht Rios feine Gesellschaft einer Sonate von Antonio Vivaldi; 200 Meter weiter spritzen die Müllmänner Blut vom Bürgersteig. Wenige Stunden zuvor hatte dort eine Todesschwadron acht schlafende Straßenkinder erschossen.

Inzwischen sind drei der mutmaßlichen Mörder – alle Polizeibeamte – gefaßt. Die politisch Verantwortlichen hingegen befinden sich weiterhin auf freiem Fuß. Doch so schnell, wie sie die Spuren auf dem Straßenpflaster wegspülen lassen, werden sie sich diesmal nicht reinwaschen können. Denn seit dem vergangenen Wochenende weiß endgültig alle Welt: Ein Menschenleben ist in Brasilien immer weniger wert.