Vorbei sind die Zeiten der kräftigen Zuwachsraten in den deutschen Feriengebieten. Die wirtschaftliche Lage läßt die Urlauber sparen.

Von der Ostsee bis Ostbayern ist in diesem Sommer selbst in der Hochsaison ein Quartier zu finden. „Noch ist der Fremdenverkehr in unserem Lande ein blühender Wirtschaftszweig“, so Schleswig-Holsteins Verbandsdirektor Gerd Kramer. „Aber die Rezession in der Wirtschaft und hohe Arbeitslosigkeit hinterlassen schon in diesem Jahr Spuren, die abschwächende Tendenz ist unverkennbar.“ Ähnlich lautet auch der Tenor in den Feriengebieten Baden-Württembergs: „Nicht schlecht, aber es könnte um einiges besser sein.“

Nach den steigenden Übernachtungszahlen der vergangenen Jahre herrscht nun allenthalben „Stagnation“ oder „leichter Rückgang“ auf „relativ hohem Niveau“. Schon jetzt aber ist klar, daß es keinen neuen Rekordsommer geben wird. Die Hoffnung, daß bei schlechter wirtschaftlichen Lage mehr Urlauber der Heimat den Vorzug geben, scheint sich nicht zu erfüllen.

Schuld daran ist auch das miese Wetter der letzten Wochen. Das hält die Kurzentschlossenen ab, für ein paar Tage oder ein verlängertes Wochenende ein nahe gelegenes Feriengebiet anzusteuern. Bei Tagesausflügen sowie beim Zweit- oder Dritturlaub halten sich die Deutschen ebenfalls zurück.

Weggeblieben sind, etwa in Städten wie Dinkelsbühl oder Garmisch, Frankfurt oder München, auch viele ausländische Gäste. Die Italiener kommen mit ihrer Lira nicht mehr so weit, Amerikaner und Japaner haben zu Hause mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, genauso die im deutschen Norden dieses Jahr ausbleibenden Skandinavier. Daß die Niederländer in diesem Sommer vielfach Frankreich oder Osteuropa den Vorzug vor Deutschland geben, dürfte, so vermuten manche Touristiker, nicht nur ökonomische Gründe haben.

Der deutsche Urlauber hat, so läßt sich von Niedersachsen bis Franken, vom Bodensee bis zur Nordsee feststellen, sein Verhalten in den Ferienwochen geändert: „Man spart im Urlaub“, stellt, übereinstimmend mit vielen seiner Kollegen, Eike Schmidt, stellvertretender Geschäftsführer des Fremdenverkehrsverbandes Franken, fest. Die Trinkgelder, so wird in Schleswig-Holstein beobachtet, fließen nicht mehr so üppig. Und die Urlauber sind kritischer geworden: „Sie nehmen nicht mehr alles so hin“, heißt es am Bodensee, „die Leute verlangen Qualität.“ Zu günstigen Preisen allerdings.

Der Trend zur Sparsamkeit zeigt sich vor allem bei der Verpflegung. Lieber gehen die Feriengäste mal zur Würstchenbude als ins Speiselokal. Folgerichtig sind jene Quartiere am gefragtesten, in denen die Urlauber sich selbst versorgen können: Ferienwohnungen und Zimmer auf dem Bauernhof. Steigende Urlauberzahlen verzeichnen preisgünstige Regionen wie etwa der Frankenwald, wo ein Pensionszimmer mit Dusche/WC schon von 35 Mark an pro Person zu buchen ist.