Ist der neue Asylkompromiß nun ein Erfolg oder ein Fehlschlag? Die einen feiern ihn, weil die Zahl der registrierten Asylbewerber sinkt; die anderen wollen ihn schon nach vier Wochen korrigieren, weil Karlsruhe einige Abschiebungen vorerst gestoppt hat. Wer hat recht?

Niemand von beiden. Für ein endgültiges Urteil ist es noch zu früh. Wenn im Juli 1993 wohl um die Hälfte weniger Ausländer um Asyl nachsuchten als im Vorjahr, sagt das nichts darüber, wie viele Flüchtlinge tatsächlich gekommen sind – illegal über die grüne Grenze. Und das Bundesverfassungsgericht hebt in seinen Eilentscheidungen nicht das neue Asylrecht aus den Angeln. Es hält die Verwaltungsbeamten und Richter nur dazu an, das jeweilige Einzelschicksal im Auge zu behalten. Denn für ein Verfahren nach Schema F läßt auch das eingeschränkte Grundrecht keinen Raum. Gleich, ob ein Asylbewerber aus einem sicheren Herkunftsland stammt oder nicht, sein Antrag darf nur dann verworfen werden, wenn nichts ihn rechtfertigt.

Schon immer litten Veränderungen des Asylrechts daran, daß vorschnell wieder an ihnen herumgedoktert wurde. Deshalb heißt es jetzt – gemach! mak