ARD, Sonntag, 25. Juli: „ZAK. Der Wochendurchblick“

Wer „ZAK“ verstehen will, muß den Wochendurchblick schon haben. Dieses Magazin informiert nicht, und es hat auch keine Geduld mit Spätmerkern. Es kommentiert durchgehend ironisch, sardonisch, parodistisch und zeigt sich in seiner verspielten Art dem Ernst der Lage oft besser gewachsen als die hochnotoffiziösen Verlautbarungen der gesetzten Herren von „Monitor“ bis „Frontal“. Leben wir doch längst in einer (über)informierten Gesellschaft. Es geht nicht mehr darum, einem staunenden Publikum die Fackel des Wissens aufzustecken; die Frage für den Zuschauer lautet heute umgekehrt so: Wie finde ich im Dschungel all der Infos und Fakten nach Hause?

Diese Veränderung ihrer Aufgabe müßte die Medien eigentlich zu mehr Interpretation und Meinung drängen, müßte ihnen auch einen neuen Ton nahelegen: weg von der falschen Feierlichkeit, hin zu mehr Distanz vom Stoff, zu Spott und Brechung. „ZAK“ ist eine der wenigen Sendungen, die auf diese Zeichen der Zeit reagieren: Den Wochendurchblick haben die Leute. Jetzt geht es darum, sie daran zweifeln zu lassen.

„ZAK“ setzt auf Zuspitzung, Provokation, schräge Perspektive. Reportage wechselt mit Satire, beide sind stets schnell, oft glänzend. Der deutsche Blauhelm-Einsatz endet jede zweite „ZAK“-Folge in einem fiktiven Inferno; die GSG-9 ist ’ne „total bescheuerte Truppe. Wo sie auftaucht, fallen Schüsse und Minister“; der Nachruf auf Steinkühler hob so an: „Seit Dienstag ist der Eisenfranz beim Altmetall“; und wenn der Kanzler Jubiläum hat, heißt es: „Über den macht man keine Witze, da lacht man direkt.“ Hierzu paßt, daß die „Hallo Deutschland“-Puppen bei „ZAK“ Asyl genießen.

Moderator Friedrich Küppersbusch redet leise und in hohem Tempo über die Interpunktion hinweg. Seine in gezügeltem Kölsch vorgetragene Suada ist sympathischerweise öfters ihm selbst zu rapide, so daß es ihn auch mal aus der Kurve trägt, er sich vertut und verhaspelt. Doch das gehört dazu und läßt ihn kalt. Jeder Versprecher wird umstandslos für einen neuen Übergang oder den nächsten Spruch genutzt. Und wie es sich gehört, lacht der Mann nicht selber. Was ihm bei manchen seiner Kalauer auch schwerfallen dürfte. „Ob die Friedensaktion mit einem blauen Helm abgehen wird...“ sollte man überhören, zumal Küppersbusch nach jeder Pointe sein Redetempo verschärft, als sei Gelächter ihm zuviel der Ehre. Dieses konsequente Understatement versöhnt mit seinem starken Hang zum Wortspiel.

Pro Sendung ist ein Gast bei Küppersbusch im Studio – welch letzteres ausschaut wie ein explodiertes Design-Studio, dessen Trümmer in die Kulissen für einen Science-fiction-Film gefallen sind. Mit Blüm („Sie sind Deutschlands längster Minister“) unterhält sich der „ZAK“-Mann genauso entspannt wie mit Herbert Grönemeyer, Dieter Hildebrandt oder, jüngst, Gerd Rüge. Lockerheit ist bei ihm keine Pose, sondern hochgradige Aufmerksamkeit, dank derer in den knappen Minuten zwischen Einspielfilm und Moderation bisweilen das Unerhörte geschieht und ein Gespräch zustande kommt. „Wir streiten uns hier jenseits jeder Sendezeit.“ Das find’ ich schön.

Barbara Sichtermann