Mehr Zeit für die Abfertigung sollten in diesen Wochen die Passagiere auf dem Frankfurter Flughafen einplanen. Verschärfte Personen- und Gepäckkontrollen und fehlendes Personal führen zu langen Warteschlangen vor den Sicherheitsschleusen.

Bis zu einer Dreiviertelstunde mußten die Fluggäste des Rhein-Main-Airports in den letzten Wochen warten, bis sie die Kontrollpunkte passieren konnten und ihr Handgepäck am Röntgenschirm durchleuchtet wurde. Durch die extrem lange Wartezeit verpaßte eine ganze Reihe von Passagieren sogar ihre Flüge.

Gleich mehrere Gründe sind für die Staus vor den Kontrollschleusen verantwortlich: Nach der Entführung des Lufthansa-Airbusses Chemnitz im Februar dieses Jahres auf dem Frankfurter Airport haben die Flughafen Frankfurt-Aktiengesellschaft (FAG) und der für die Aufsicht der Sicherheitskontrollen zuständige Bundesgrenzschutz (BGS) den „Security-Check“ deutlich verschärft. Fluggäste und Gepäck werden nun noch genauer kontrolliert, um zu verhindern, daß – wie im Fall des äthiopischen Entführers der Chemnitz – Waffen am Sicherheitspersonal vorbei in die Maschinen geschmuggelt werden.

Gleichzeitig macht sich in Frankfurt besonders bemerkbar, daß die Aufsicht über die Sicherheitskontrollen auf allen deutschen Flughäfen am Anfang des Jahres von den Ländern auf den Bund übergegangen ist: Während nämlich das Hessische Verkehrsministerium bis Ende 1992 eine Richtzahl von 250 Passagieren pro Stunde und Kontrollpunkt vorgegeben hatte, hält das nun verantwortliche Bundesinnenministerium allenfalls eine Zahl von 180 Passagieren für vertretbar.

Vor allem fehlt es der Flughafen-AG und dem Bundesgrenzschutz jedoch an Kontrollpersonal. Zur Zeit sind lediglich 710 Fluggastkontrolleure im Einsatz, die das tägliche Passagieraufkommen von bis zu 50 000 Menschen kaum noch bewältigen können. Die FAG hat deshalb beim Bundesinnenministerium 65 weitere Stellen für den Kontrollbereich beantragt, die bisher jedoch noch nicht bewilligt wurden.

Da in dieser Woche auch in Hessen die Sommerferien begonnen haben, werden sich die Fluggäste in Frankfurt auch in nächster Zeit auf lange Warteschlangen einrichten müssen. Die FAG rät daher allen Reisenden, zusätzliche Zeit für den „Security-Check“ einzukalkulieren und früher als ursprünglich geplantam Flughafen einzutreffen.

Zur Unterstützung des überlasteten Personals werden in den kommenden Wochen zusätzlich Polizei- und Bundesgrenzschutz-Beamte im Kontrollbereich eingesetzt. Eine deutlich schnellere Abfertigung ist jedoch erst ab September zu erwarten. Dann sollen weitere 30 Kontrolleure ihren Dienst aufnehmen. Diese Verstärkung ist jedoch auch dringend notwendig, da der Andrang der Fluggäste erfahrungsgemäß im Spätsommer seinen Höhepunkt erreicht, wenn die letzte Ferienreisewelle mit der ersten Geschäfts- und Messereisewelle zusammentrifft. Marco Finetti