Ob Geizhals Dagobert Duck da zugegriffen hätte? Die amerikanischen Anleger ließen sich jedenfalls nicht lumpen, als die Walt Disney Company vergangene Woche eine Anleihe mit hundertjähriger Laufzeit anbot. Das Papier brachte dem Vergnügungskonzern 300 Millionen Dollar – doppelt soviel wie geplant.

Die Anleihe paßt zu dem Mickey-Mouse-Multi: Sie ist eine Kuriosität. 1954 borgte sich zum letzten Mal ein Unternehmen, die Eisenbahngesellschaft Chicago & Eastern Illinois, auf so lange Zeit Geld. Und auch sonst gibt es jenseits des Atlantiks nur eine Handvoll von hundertjährigen Bonds.

Das Papier liegt freilich im Trend: Langjährige Anleihen kommen in den Vereinigten Staaten zunehmend in Mode – weil die kapitalsuchenden Unternehmen so möglichst lange von den derzeit extrem niedrigen Zinsen profitieren können. In diesem Jahr boten bereits Konzerne wie Texaco, Boeing oder Ford Bonds mit einer Laufzeit von fünfzig Jahren an.

Für Investoren macht es allerdings wenig Sinn, ihr Geld für hundert Jahre anzulegen – es sei denn, sie sind große Optimisten, was die Lebensdauer von Mickey Mouse und sich selbst angeht: Die mit 7,55 Prozent verzinste Anleihe wird am 15. Juli 2093 fällig. Dagobert Duck wüßte sicher sofort, wie viele Taler er bis zu diesem Datum verdient hätte.

Vor nicht allzu langer Zeit war Reiner E. Pilz noch der Vorzeigeunternehmer aus den fünf neuen Ländern: Das Fernsehen berichtete. „High-Tech aus Thüringen“, titelten die Zeitungen. Und der offizielle Baubeginn des ersten CD-Werks in Ostdeutschland war sogar der New York Times einen Artikel wert.

Jetzt mußte der fünfzigjährige Unternehmer nur knapp drei Monate nach Produktionsbeginn Kurzarbeit anmelden. Zunächst machen die etwa dreihundert Mitarbeiter der hochmodernen Fabrik, die rund um die Uhr produziert, drei Wochen Betriebsferien. Anschließend müssen sie noch bis Mitte September zu Hause bleiben.

Die Pilz GmbH begründet den überraschenden Schritt mit Absatzschwierigkeiten: Rezession und Sommerloch sind tiefer als erwartet. Und der CD-Absatz leidet unter den hohen Preisen. In gewisser Weise wird Pilz auch Opfer seines eigenen Erfolges: Statt wie geplant fünfzig Millionen produziert seine Fabrik siebzig Millionen Musikscheiben pro Jahr.