Von Gunhild Lütge

Seit dem Augsburger Parteitag der Republikaner hagelt es im Postministerium Proteste. Auf der Veranstaltung Ende Juni waren Telephonkarten mit dem Portrait des Parteivorsitzenden Franz Schönhuber aufgetaucht. Aufgebrachte Bürger und Parteifreunde des Postministers Wolfgang Bötsch (CSU) glauben, daß er auf diese Weise die rechtsradikale Partei unterstütze – sie irren.

Bötsch hat mit der populären Präsentation von Schönhubers Konterfei nichts zu tun. Schließlich befindet allein die Deutsche Postreklame, eine hundertprozentige Tochter der Telekom, darüber, wer mit welchem Aufdruck die Chipkarten als Werbeträger benutzen darf. Und dort hatte man schon Ende Dezember 1992 beschlossen: Schönhuber soll nicht aufs Plastik.

Woher aber stammen dann die anstößigen Karten?

Das Politspektakel ist der vorläufige Höhepunkt in einem schwelenden Rechtsstreit, bei dem nur am Rande eine Rolle spielt, ob und wem es die Postreklame verweigern kann, für seine Ziele zu werben. Es geht um mehr: Rigoros versucht sich die Telekom privater Konkurrenz zu erwehren. Für den Staatsbetrieb stehen dabei Einnahmen in Millionenhöhe auf dem Spiel.

Daß Werbung auch Ärger bedeuten kann, hatten die Verantwortlichen schon 1920 geahnt, als die Postreklame etabliert wurde, um Einrichtungen der Behörde wie Telephonzellen oder Fernsprechbücher der Wirtschaft zu Werbezwecken anzubieten. Bei der Post, so hieß es damals vorsorglich, dürfe nur in „würdiger Form“ geworben werden. Das Unternehmen florierte unter dieser Maßgabe über die Jahrzehnte; im vergangenen Jahr setzte es fast eine halbe Milliarde Mark um.

Das Geschäft mit den Telephonkarten boomt seit Mitte der achtziger Jahre. Insgesamt wurden bis heute rund siebzig Millionen Stück gedruckt. Immer mehr Kunden schätzen die Bequemlichkeit, bargeldlos telephonieren zu können. Jahr für Jahr werden deshalb 10 000 Münzfernsprecher durch Kartentelephone ersetzt. Und die Wirtschaft entdeckte schnell die Möglichkeit, auf dem begehrten Stück Plastik Reklame zu drucken.