Von Gero von Randow

Vorhang auf für eine technische Innovation: die neue Kläranlage für 800 Einwohner der Cidade Nove, eines Wohngebiets der kleinen Gemeinde Silva Jardim, die hundert Kilometer nordöstlich von Rio de Janeiro liegt; die Anlage soll sowohl das Wasser reinigen als auch nützliche Biomasse liefern.

Wenig spektakulär? Das kommt auf den Standort des Betrachters an. Nicht uns bedroht die Cholera, sondern die Einwohner dieser armen Region. Die Abwässer ihrer Siedlungen fließen ungeklärt in die Gewässer der Lagune, aus der das Trinkwasser gepumpt wird – wie fast überall in Brasilien, wo schätzungsweise 85 Prozent aller Abwässer unmittelbar in Flüsse, Seen und Küstengewässer gelangen. In Silva Jardim gibt es erste Fälle von Cholera.

Für eine herkömmliche Kläranlage fehlt auch dieser Gemeinde das Geld. Siebkaskaden und Konstruktionen aus Beton, gegossen von Baufacharbeitern, kosten zuviel; außerdem: Wer soll eine solche Anlage überwachen und warten?

Das wären folglich die „Specs“, wie es im Jargon der „High-Tech“-Ingenieure heißt, also die Spezifikationen, die Anforderungen an die Technik: Eine Anlage müßte billig sein und sich mit lokalen Arbeitskräften und Hilfsmitteln bauen und betreiben lassen. Ein paar junge Leute aus Hamburg und Rio versuchen, just diese Kriterien zu erfüllen.

Das Hamburger Umweltinstitut (HUI), einst unter den Fittichen von Greenpeace entstanden und später, geleitet von dem rührigen Chemiker Michael Braungart, der Organisationsmutter entwachsen, propagierte die Idee für die neue Anlage schon vor ein paar Jahren. Das Prinzip: Die kommunalen Abwässer füttern Wasserpflanzen, dabei wird das Wasser sauber, die Pflanzen können wiederum geerntet werden und stellen einen Wert dar, der die Anlage kostenneutral macht – sie könnten beispielsweise den teuren Importdünger ersetzen.

Im Nu sammelte das HUI ausreichend Geld und Unterstützung, bald fand sich auch die passende Gemeinde. Sodann wurden die beiden Vorklärbecken, die fünf Pflanzenbecken und der Schönungsteich ausgebuddelt und mit Ziegeln vermauert. Nun noch ein paar hölzerne Schleusentore hinein, zum Schluß die Pflanzen (Hyazinthen, Wasserfarne, Wassernabel, Wasserlinsen), und fertig – schön wär’s.