Prüderie, das Wort ist uns fremd. Zimperlichkeit, Ziererei, moralinsaures Genöle, nicht unser Ding. Leben und leben lassen, jeder nach seiner Fasson, so lautet die Devise.

Allerdings: Wenn wir ganz ehrlich sind, gibt’s doch ein paar Erscheinungen, die unsere Lebensmaxime empfindlich ins Wanken bringen. Da wären zum Beispiel all jene Männer, die ihre mindestens zwei Zentner Lebendgewicht in extrem schmalgeschnittene Polohemden zwängen, quergestreifte, versteht sich.

Oder auch, und um der Gerechtigkeit willen: Frauen, die sich, allen X- oder sonstigen Beinformen zum Trotz, in den sowieso unsäglichen Leggings präsentieren. Das sind so diese kleinen Grenzüberschreitungen, bei denen unsere Nerven ganz leicht zu vibrieren beginnen.

Wegsehen, das wäre natürlich eine Möglichkeit. Besonders in der Stadt, wo ja vor allem im Sommer das Bedürfnis besteht, ständig mit verbundenen Augen herumzulaufen. Sonst könnte man der Flutwelle von Boxershorts und Muscle-Shirts gar nicht standhalten. Oder am Strand, wo wir, wie vergangenes Jahr auf Hiddensee, unversehens von haufenweise Nackten umgeben waren, was teilweise erschütternde Folgen für unseren Sehnerv hatte. Nudisten beim Softballspielen sind jedermanns Sache nicht.

Doch wie harmlos das hüllenlose Gehopse am Badestrand im Grunde ist, davon überzeugte uns die Information eines touristischen Pressedienstes: "Golfen für Nackte", stand da zu lesen, und zwar "in Frankreich". Auf einem verschwiegenen Landgut bei Le Porge in der Weinbauregion Médoc werden demzufolge künftig die Kleider fallen, bevor es ans Abschlagen geht.

An den Haken mit den teuren Golfklamotten, jenen Statussymbolen, die Mitglieder dieses elitären Sportlerkreises bisher unübersehbar von der grauen Masse der Seilspringer und Federballspieler trennten. Und das Ergebnis? Männer ohne Hosen, bewaffnet mit Eisen neun, beim Pitchen. Der Caddy, im Adamskostüm, mit dem Golfsack daneben. Nicht auszudenken, welch fatale Folgen ein Fehlschlag haben könnte.

Doch wir wollen nicht spotten, denn womöglich sind wir keineswegs so weltoffen wie eingangs betont, und dieses Unternehmen hier ist ein durchaus ernstzunehmendes. Davon ist jedenfalls der Club-Manager vollkommen überzeugt: Golf entspräche, so ließ er (angezogen? ausgezogen?) verlauten, exakt der Philosophie aller FKK-Freunde, die sich immerhin aus "gegenseitigem Respekt, Geselligkeit und der Liebe zur Natur" zusammensetzt.