Von Marlene Nadle

NEW YORK. – Wenn die Menschen im Westen schon nicht bereit sind, die Tragödie im ehemaligen Jugoslawien militärisch zu verhindern, dann sollten sie wenigstens mit Worten kämpfen. Sie könnten die demokratische Opposition dieser Länder mit anderen als Kriegswaffen ausstatten, um den serbischen Präsidenten Slobodan Milošević und den kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman zu besiegen: mit Informationen aus unabhängigen Medien.

Fernsehen, Hörfunk und Zeitungen sind für beide Präsidenten der Schlüssel zur politischen Macht. Sie sind zugleich die Quelle des nationalistischen Irrsinns, der beide Länder befallen hat. Eine fünfjährige Propagandakampagne war nötig, um die Menschen ethnischen Haß zu lehren. Mit gräßlichen Fernsehbildern massakrierter Soldaten manipulierte man ihre historischen Ängste. Mit Lügen und Verdrehungen führen die Staatsführer einen psychologischen Krieg gegen die eigenen Bürger.

Die Menschen werden von der Realität abgeschirmt, weil sich die meisten nur über das staatliche Fernsehen informieren. Ein Serbe, der es sich noch leisten kann, das unabhängige Wochenmagazin Vreme zu kaufen, sagt: „Ich lese es, um in unserer geisteskranken Kultur gesund zu bleiben.“

Information kann die Menschen und die Politik verändern. Milan Panić, der frühere Ministerpräsident Restjugoslawiens, meinte, die Menschen mit den Fakten zu konfrontieren sei der erste Schritt zu einer politischen Lösung. Den zweiten Schritt müßte der Westen wagen, indem er die demokratische Opposition unterstütze.

Die serbischen und kroatischen Demokraten genossen bisher wenig Hilfe von unabhängigen Medien. Amerikanische Politiker, die Friedensbewegung, westliche Journalisten und Medienorganisationen haben es versäumt zu helfen. Der Europarat wartete bis zum vergangenen April, um eine Radiostation auf einem Schiff zu unterstützen, das vor der kroatischen Küste kreuzte. Aber die vom Europarat gestiftete Antenne hatte eine zu geringe Reichweite, weshalb das Programm nicht einmal in Zagreb und Belgrad zu hören war. Das reicht nicht, um die Schlacht der Worte zu gewinnen. Die serbische Regierung hat zudem die Internationale Telekommunikations-Organisation der Uno angerufen. Vor einem Monat mußte der Radiosender seinen Betrieb einstellen.

Die Vereinigten Staaten planen nun, die Programme von Radio Free Europe von Oktober an ins ehemalige Jugoslawien auszustrahlen. Aber um die Mehrheit der Menschen zu erreichen, muß die Hauptschlacht im Fernsehen geschlagen werden.