Um die Qualität der Flugzeugluft gibt es Streit. Die geringe Luftfeuchtigkeit macht Passagieren und Bordpersonal zu schaffen

Von Bernd Loppow

Traut man der Berichterstattung einflußreicher Medien, haben derzeit Millionen von Flugpassagieren Grund, sich um ihr Wohlergehen Sorgen zu machen: Die Luftqualität in Flugzeugen sei „erbärmlich dünn“, titelte die New York Times. Um Geld zu sparen, so warf das Blatt den US-Fluggesellschaften vor, pumpten sie weniger Frischluft in die Kabinen ihrer Maschinen. Deshalb beschwerten sich nach langen Flügen immer mehr Passagiere und Flugbegleiter über Kopfschmerzen, Übelkeit und Kreislaufstörungen. Auch der Spiegel glaubte seine Leser warnen zu müssen: „Die Bordluft ist ungesund. Sauerstoffnot und Krankheitserreger bedrohen die Passagiere.“

Birgt jeder Flug also ein Gesundheitsrisiko? Die Airlines wiegeln ab: Von den 430 Millionen Amerikanern, die 1992 geflogen seien, habe nur ein verschwindend kleiner Teil sich über die Luftqualität beschwert, verkündete ein Sprecher von United Airlines. Delta Airlines ist sich sogar „keinerlei Beschwerden bewußt“; USAir registriert zwar „ein Problem“, schiebt die Verantwortung aber auf die Flugzeugbauer Boeing, McDonnell Douglas und Airbus.

Bei der Deutschen Lufthansa (LH), versichert Pressesprecher Christian Klick, gebe es keinerlei Direktiven an die Besatzungen, aus Spargründen die Luftzufuhr zu drosseln. Lutz Bergau, Leiter der medizinischen LH-Dienste: „Dafür sorgt allein schon die strenge deutsche Arbeitsstättenschutzverordnung für das fliegende Personal.“

Auch bei Deutschlands größtem Ferienflieger LTU scheint es keine Probleme zu geben. Daß das Bordklima nicht mit der Frischluft in den Urlaubsgebieten zu vergleichen sei, so LTU-Sprecher und Mikrobiologe Thomas Immelmann, „liegt in der Natur der Sache“: Ein kompliziertes Belüftungssystem versorgt die Passagiere mit Sauerstoff. Die Außenluft wird bei den meisten Flugzeugtypen von den Triebwerken angesaugt, dabei erhitzt, verdichtet und dann unterhalb des Laderaums wieder gekühlt. Von dort strömt die Luft in einen Verteilergang über der Passagierkabine, zirkuliert im Innenraum und wird dann an der Bordwand am Fuße der Sitze wieder abgesaugt.

In modernen Jets stammt jedoch höchstens noch die Hälfte der Kabinenluft aus dieser Frischluftzufuhr. Der Rest ist gefilterte Altluft, die erneut in die Kabine gepustet wird. Dieser Vorgang wiederholt sich, abhängig vom Flugzeugtyp und Klimasystem, alle drei bis sieben Minuten. Ein wichtiger Grund für die Fluggesellschaften, den Altluftanteil zu erhöhen: Wenn weniger Luft aus den Turbinen abgezapft wird, erhöht sich die für den Schub verbleibende Triebwerksleistung. Die Airlines sparen Kerosin.