In alter Manier

Wenn man den Wessis den kleinen Finger reicht, dann nehmen sie gleich den ganzen Fuß. Vergangene Woche gewährte unsere Fußballnationalmannschaft des Jahres 1974 den Kickern der „BRD“ einen Revancheversuch für jenes unvergessene Spiel bei der Weltmeisterschaft in Hamburg. Auch diesmal schoß Jürgen Sparwasser das 1:0. Am Ende gestattete der hochüberlegene Osten dem Westen ein 4:4, mit Augenzwinkern und um der lieben Einheit willen. Das ist den Sportfreunden um Beckenbauer und den dicken Netzer wohl zu Kopfe gestiegen. Jetzt stellt man das Ansinnen, von 1949 bis 1990 sollten die bundesrepublikanischen Länderspiele in die Statistik für Deutschland eingehen. Der alte Bonner Alleinvertretungsanspruch. In Jena, Dresden, Magdeburg kann man da nur grinsen – wie damals, als Deutschland die „BRD“ mit 1:0 besiegte.

In bester Absicht

Es ist ja nicht so, daß alle Immigranten unwillkommen sind. Manche werden sogar angelockt. Seit zwei Jahren bieten die Vereinigten Staaten gewissen Einreisewilligen ein Privilegierten-Visum an: eine mindestens zweijährige Aufenthaltserlaubnis – unter der einzigen Bedingung, daß der Immigrant eine Million Dollar in dem Land investieren muß. Um den erwarteten Ansturm zu bremsen, beschränkte der Kongreß dieses Visakontingent vorsorglich auf 10 000 pro Jahr. Die International Herald Tribune präsentierte jetzt die erste Zwischenbilanz: Nur 753 Millionäre machten von der Möglichkeit Gebrauch. Eine Ohrfeige für den Investitionsstandort Amerika? Sicher. Aber mißglückte Experimente führen gelegentlich zu überraschenden Nebeneffekten. Der Visaversuch hat alle Chancen, der Einwanderungspolitik des flüchtlingsgeplagten Amerika als Modell zu dienen. Man muß den Millionärsvorbehalt nur allen Einreisewilligen zur Bedingung machen – und schon schwillt der Zustrom ab. Frei nach dem deutschen Muster: Jeder hat ein Recht auf Asyl – es darf nur keiner mehr ins Land.

In falscher Mission

Schuld an allem haben bekanntlich immer „die anderen“. In Belgrad redet sich die Opposition ein, daß ein „amerikanisch-britisches Komplott“ das Milošević-Regime stützt, während dieses hinter seiner Isolierung eine „deutsch-vatikanische Verschwörung“ wittert. So kam der Besuch eines gewissen Walther Redwood Crespo gerade recht: Als „anglikanischer Bischof von Ecuador“ trat er in Belgrad – empfohlen vom serbischen Religionsminister – fünf Tage lang auf, wurde sogar vom orthodoxen Patriarchen empfangen und wetterte gegen die „Vergewaltigung der nationalen Rechte der Serben“ wie gegen den bösen Vatikan. Und er genoß die Schlagzeilen. Erst nach seiner Abreise ergab eine Nachfrage beim Erzbischof von Canterbury, daß es weder in Ecuador noch sonstwo einen anglikanischen Oberhirten dieses Namens gibt. Offenbar ist nur Serbien Señor Crespos selbstgewähltes Missionsgebiet.