Von Ralf Neubauer

Volker Grub redet gewöhnlich nicht um den heißen Brei herum. Als Insolvenzverwalter muß er schon qua Amt oft unangenehme Wahrheiten aussprechen. Um so auffälliger ist sein Lavieren im Vergleichsverfahren der Stuttgarter Südmilch AG. Erst zierte sich Grub vor Journalisten, die Schulden des größten deutschen Milchkonzerns (13 Milliarden Mark Umsatz) genau zu beziffern. Dann prophezeite er, daß die Südmilch AG auch nach dem Vergleich eine „bäuerliche Struktur“ haben werde.

Genau das wird – wenn der Vergleich überhaupt glückt – mit großer Wahrscheinlichkeit nicht der Fall sein. Die Begründung lieferte Grub, der zu den angesehensten deutschen Sequestern zählt, gleich mit. Den alten Aktionären aus der Landwirtschaft werde es vermutlich schwerfallen, weiteres Kapital zur Sanierung des notleidenden Unternehmens aufzubringen. Er habe sich daher bereits auf die Suche nach einem potenten Partner, möglichst aus der Branche, begeben.

Die Tage der „bäuerlichen Aktiengesellschaft“ Südmilch, an der regionale Milcherzeuger und deren Genossenschaften eine Kapitalmehrheit von rund siebzig Prozent halten, scheinen damit gezählt. Nicht umsonst fürchtet Heinrich Maurer, Sprecher des Landesbauernverbandes Baden-Württemberg, daß künftig ein Multi wie Unilever, Kraft oder Nestlé den Ton in der Stuttgarter Südmilch-Zentrale angeben könnte. „Dann“, so Maurer, „werden nur noch die hochrentablen Produkte weitergeführt, und es wird nur noch so viel Milch verarbeitet, wie man dazu braucht.“

Die Analyse des Bauernverbandes trifft zu. Maurer deutet damit zugleich einige Gründe an, warum die schwäbische Renommierfirma derart in die Bredouille geraten konnte. Zwar hat das Mismanagement des früheren Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Weber, eines wegen Steuerhinterziehung vorbestraften Molkereimeisters, entscheidend zur Misere des Unternehmens beigetragen. Im Kern verbirgt sich hinter der Pleite aber eine tiefgreifende Krise der genossenschaftlichen Milchwirtschaft, zu der wegen ihrer bäuerlichen Eigentümer auch die Südmilch AG gehört.

Wenig ist in Deutschland derart straff genossenschaftlich organisiert wie die Milchverwertung. Kooperativen erfassen, verarbeiten und vermarkten mehr als drei Viertel des heimischen Milchaufkommens. Ihre Zahl ist seit Anfang der sechziger Jahre rasant zurückgegangen – von mehr als 2500 auf heute nur noch etwa 200 Unternehmen.

Trotz dieser Konzentration kämpfen viele Meiereien um ihre Existenz. Zur Jahreswende erst brach die Meierei-Gesellschaft Nordmark (MGN) in Hohenwestedt zusammen. Die Ursachen waren dieselben wie jetzt bei der Südmilch: „In beiden Fällen sind überhöhte Kosten für den Zusammenbruch verantwortlich“, sagt Friedrich Hülsemeyer, Professor bei der Bundesanstalt für Milchforschung in Kiel.