Der Leiter des jüdischen Dokumentationszentrums für Naziverbrechen, Simon Wiesenthal, hat in einem bewegenden J’accuse die westliche Welt aufgerufen, die Not der verzweifelten 300 000 in Sarajevo eingeschlossenen, Hungers sterbenden Menschen zur Kenntnis zu nehmen. Und was ist mit den 300 000 Libanesen, so möchte man fragen, die von den Israelis mit Artillerie und Panzern aus ihrer Heimat verjagt wurden – in einer Aktion, die „Rechenschaft“ genannt wird? Wo bleibt da die Anklage?

Rabin, so heißt es, sei vor das klassische Dilemma gestellt worden: Soll man die Extremisten, also die Hisbollah, ignorieren, oder soll man mit Gewalt gegen sie vorgehen? Die Welt bewundert den israelischen Ministerpräsidenten dafür, daß er sich erfolgreich für das letztere entschieden hat. Dies aber ist ein Mißverständnis. Er hat nicht gegen die Hisbollah Gewalt angewandt – das hätte man gut verstehen können –, sondern gegen unbeteiligte Zivilisten, Frauen und Kinder, die kopflos nach Norden flüchteten, während im Süden ihre Häuser zerschossen wurden.

Da fragt man sich denn: Soll die so wichtige Diskussion über Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum nutzlosen Geschwätz werden? Dff