HAMBURG. – Auf unerwartetes Echo stieß vor kurzem ein Artikel im ZEITmagazin über die Firma Birkenstock. Der Hersteller der Öko-Sandale, so schrieb ein Leser, unterstütze rechtsradikale Kreise. Ein zweiter wollte gehört haben, Birkenstock hätte den letzten Wahlkampf der Republikaner mit 1,5 Millionen Mark unterstützt. Ein dritter wußte gar von dem Gerücht, Franz Schönhuber sei einer der Teilhaber.

Der WDR-Mitarbeiter Ralf Finke, der über Birkenstock einen Beitrag für das Fernsehmagazin "Aktuelle Stunde" drehte, hatte ebenfalls von diesem Verdacht gehört und ging der Sache nach. Im hauseigenen Archiv fand sich nichts, auch nicht im Archiv des Verlages Gruner + Jahr. Der Spiegel, der als Quelle genannt worden war, teilte ihm mit, das Nachrichtenmagazin sei nicht der Urheber des Gerüchtes und habe dies auf Anfrage schon mehrfach mitgeteilt. Auch bei der Berliner Tageszeitung taz konnte sich niemand an eine entsprechende Veröffentlichung erinnern. Der nordrheinwestfälische Verfassungsschutz gab die Auskunft, es lägen keine Erkenntnisse vor.

Karl Birkenstock, Inhaber der Bad Honnefer Firma, versichert, daß er mit den politischen Zielen der Republikaner nicht nur nicht übereinstimme, sondern im Gegenteil entsetzt sei über alles, was Fremdenfeindlichkeit fördern könne. Schließlich seien rund dreißig Prozent seiner Mitarbeiter Ausländer. In der jüngsten Ausgabe seiner Kundenzeitschrift bietet Karl Birkenstock dem Fachhandel deshalb kostenlos Aufkleber mit dem Aufdruck "Wir sind alle Ausländer! Denk nach!" an.

Wie ist die Firma also ins Gerede gekommen? Ihr Pressesprecher Runkel meint, das Gerücht ginge auf eine Liste zurück, die 1989 an der Universität Hannover kursierte, in der neben Birkenstock mehrere andere Unternehmen als Parteigänger der Rechten genannt wurden.

So könnte es durchaus sein, daß die Birkenstock-Geschichte – wie die berühmte Story von der "Spinne in der Yucca-Palme" – zu den modernen Wandersagen gehört, die von Mund zu Mund gehen, deren Wahrheitsgehalt sich so gut wie nie bestätigen läßt und die sich dafür um so hartnäckiger am Leben halten. ja