HAMBURG. – Die Kaufhof AG unternimmt den Versuch, ein Haus zu zerstören, ohne es zu berühren. Es geht um das Klöpperhaus, in dem sich das Unternehmen 1965 mit seinem Warenhaus in Hamburg angesiedelt hat. Das Klöpperhaus, ein 1913 erbautes Kontorhaus, bildet zusammen mit dem gegenüberliegenden Südseehaus den Eingang zur Mönckebergstraße vom Hauptbahnhof her. Es ist ein unverzichtbarer Bestandteil von Hamburgs berühmter Einkaufsstraße vom Beginn dieses Jahrhunderts. Entworfen hat es der Architekt Fritz Höger im Stil der norddeutschen Backsteinarchitektur.

Kaufhof erwarb das Klöpperhaus seinerzeit, nur um es abreißen und neu bauen zu können. Erst massive Proteste in den Hamburger Zeitungen und der Öffentlichkeit verhinderten dies. Doch es blieb nur die Fassade des Klöpperhauses erhalten. Zwar wurde das Dach wiederhergestellt, das im Krieg ausgebrannt und in den ersten Nachkriegsjahren durch Staffelgeschosse ersetzt worden war. Dafür wurden jedoch im Erdgeschoß Arkadenbögen statt der Fenster geschaffen, um dahinter Schaufenster einzubauen. Das Innere des Gebäudes wurde total ausgeweidet, wobei viel Erhaltenswertes zerstört wurde.

Wenigstens wurde das Klöpperhaus als Baukörper – das heißt: seine Hülle – an seinem städtebaulich wichtigen Platz erhalten und danach in die Denkmalliste eingetragen.

Nun erfolgt ein neuer, subtiler Angriff auf das Rest-Baudenkmal. Den Anlaß bildet die Fusion der Firmen Kaufhof und Horten, die nun in Hamburg auch baulich vollzogen werden soll. Beide Häuser stehen – nur durch die Straße Lange Mühren getrennt – dicht beieinander. Das Hortenhaus, das Ende der sechziger Jahre anstelle des zerbombten Naturhistorischen Museums gebaut worden war, soll eine völlig neue, durchsichtige Fassade erhalten, die etwa zwölf Meter weiter vorgerückt wird. Von ihr aus soll ein Glasdach zum Kaufhof hinübergestemmt werden, das den Straßenraum stützenfrei überdacht. An beiden Enden soll eine gläserne Wand die Passage abschließen. Das alte Klöpperhaus wird dabei an keinem Punkt berührt. Auf mehreren Ebenen sollen gläserne Fußgängerbrücken installiert werden, die die beiden Häuser zu einem „Kaufhaus des Nordens“ verbinden. Außerdem soll das Hortenhaus kräftig aufgestockt werden. Als besondere Attraktion wird im oberen Drittel ein Café eingerichtet, das über die Mönckebergstraße ausgefahren werden kann. Das wird sich im ausgefahrenen Zustand wie ein dicker Riegel vor den Eingang zu Hamburgs Einkaufsmeile schieben.

Die Glaswand wird, auch wenn sie aus entspiegeltem Glas konstruiert werden kann und auch wenn die Fußgängerbrücken ebenfalls reine Glaskonstruktion sind, die Sicht auf die Front des Klöpperhauses nehmen. Zudem wird der Dreck in der Hamburger Luft das Glas rasch blind machen.

Der Oberbaudirektor Egbert Kossak versucht in der Angelegenheit abzuwiegeln: Es gebe bisher noch keinen Architektenauftrag und deshalb auch keinen Entwurf. Das Modell der Glaspassage, das bei ihm steht, nennt er lediglich eine „Ideenskizze“. Das Amt für Denkmalschutz darf dazu offiziell nichts sagen. Das Baudenkmal wird ja nicht angerührt. Gisela Schiefler