Die Weltbank ist reich und mächtig: Im vergangenen Jahr pumpte sie 23,7 Milliarden Dollar von Nord nach Süd – das ist fünfmal soviel wie der ganze Bonner Entwicklungsetat. Eine Großbürokratie entwirft Wirtschaftsprogramme für zwei Drittel der Menschheit. Bei der Jahrestagung Anfang dieser Woche in Washington kam die Frage auf: Wer kontrolliert die Weltbank?

Von Christian Wernicke

Washington

Ernest Stern muß es wissen. Seit dreizehn Jahren gilt dieser kleine grauhaarige Mann als einflußreicher Majordomus an der 18. Straße in Washington; er dient bereits dem dritten Präsidenten dieses vornehmen Hauses als rechte Hand. Also, wer kontrolliert die Weltbank? "Ach, wissen Sie", seufzt der sechzigjährige Amerikaner leise, "jeder sucht hier nach dem einen Knopf. Aber diesen Knopf gibt es nicht." Selbstverständlich hat er vorher noch gesagt, wem formal alle Macht über Soll und Haben gehört: "Unseren Anteilseignern, unseren Aktionären." Aber da mußte er selber ein wenig lachen.

Der Spur ist gleichwohl nachzugehen. Sie führt ins Büro von Eveline Herfkens. Die blonde Holländerin vertritt im Aufsichtsrat, dem sogenannten Exekutivdirektorium, ein Dutzend Staaten. Wer kontrolliert die Weltbank? "Das frage ich mich manchmal auch!" Frau Herfkens bleibt ernst. Sie sitze hier zwar in der Zentrale weltweiter Entwicklungspolitik, "hier ist das Gehirn, hier ist das meiste Geld". Aber die beiden 1944 in Bretton Woods gegründeten Schwesterorganisationen, die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF), seien "zu Waisen geworden". Sie würden von ihren Mitbegründern in Europa sträflich vernachlässigt. Statt dessen nutzten eine Handvoll amerikanischer Umweltverbände ihren Einfluß auf den Kongreß in Washington und legten die Bank an ihre Leine.

Wird die Weltbank also von außen gesteuert, von Öko-Aktivisten wie Bruce Rich etwa? Der agile Jurist winkt ab: "Wir sind doch bloß harmlose Pferdefliegen." Der leitende Mitarbeiter des Environmental Defense Fund (EDF), einer US-Umweltorganisation mit etwa 200 000 Mitgliedern, hat der Bank zwar schon "eine Menge Ärger" gemacht. Aber oft erfuhr er nur durch Zufall, "durch Hilferufe von Bauern in Indien oder durch anonyme Hinweise skrupulöser Weltbank-Mitarbeiter", von Staudämmen und Massenumsiedlungen. "Die ehrliche Antwort ist wohl – niemand kontrolliert die Weltbank."

I. Maus und Monster