Hans-Joachim Gottschol, Fabrikantensohn aus Hagen, ist seit Anfang 1992 Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. Seitdem muß sich die IG Metall auf härtere Zeiten einstellen. Anders als sein Vorgänger, der Manager Werner Stumpfe, ist Gottschol ein waschechter Unternehmer und zudem ein Vertreter der mittelständischen Industrie. Die hatte sich in den Jahren zuvor stets beklagt, die Tarifabschlüsse seien zu hoch und nur an den Interessen der Großunternehmen ausgerichtet. Die angekündigte „Wende in der Tarifpolitik“ ist dem Sechsundsechzigjährigen freilich noch nicht geglückt. Das CDU-Mitglied betreibt gemeinsam mit seinem Bruder die Gottschol Aluminium GmbH in Ennepetal sowie die Gottschol Metallwerke in Berlin. Als Verhandlungsführer der nordrhein-westfälischen Metallindustrie erwarb er sich in den achtziger Jahren bei der IG Metall den Kosenamen „harter Hund von Ennepetal“, hielt aber auch engen Kontakt zu den Betriebsräten.

Klaus Zwickel, gelernter Werkzeugmacher aus Heilbronn, wurde am vergangenen Wochenende zum Vorsitzenden der IG Metall gewählt. Der Vierundfünfzigjährige hat sich nach eigener Aussage nie in das Spitzenamt gedrängt. Als Nachfolger Franz Steinkühlers, der im Mai über unsaubere Geschäfte mit Mercedes-Aktien gestolpert war, erhielt der vormalige Vize dennoch auf Anhieb 90,1 Prozent der Delegiertenstimmen – mehr, als sein Vorgänger je erreicht hat. Zwickel, der eine fast vierzigjährige Ochsentour durch die IGM hinter sich hat, fehlt das Charisma Steinkühlers. Er gilt eher als konventioneller Gewerkschafter, wird aber innerhalb seiner Organisation als gradliniger Funktionär geschätzt. Was dem SPD-Mitglied an konzeptionellem Talent fehlt, bringt der neue Vize Walter Riester mit, einer der ideenreichsten Gewerkschafter. Nach der Dominanz Steinkühlers wird die IG Metall mit ihren 3,2 Millionen Mitgliedern nun de facto von einem Zweiergespann in schwierige Zeiten geführt werden.