Von Frank Ulrich Montgomery

Zunächst einige unerläßliche Tatbestände zum medizinischen Universitätsbetrieb, der Teil des Hochschulsystems ist und dem gleichen Rechtsrahmen unterworfen wie alle übrigen Universitätszweige.

Die alte Dreiteilung Wissenschaft, Lehre und Patienten geht von drei Prämissen aus. Erstens: Die Beschäftigten der Universitätskliniken sind zur Forschung verpflichtet. Ordinarien und Abteilungsdirektoren werden in der Regel unbefristet in ein Beamtenverhältnis übernommen. Alle übrigen Mitarbeiter bekommen lediglich befristete Arbeitsverträge.

Zweitens: Universitätskrankenhäuser leisten den Hauptanteil der Lehre für die Medizinstudenten. Diese Arbeit absorbiert einen erheblichen Teil der Zeit, und zwar zunehmend mehr. Die Zahl der Studenten ist gestiegen, die Unterrichtsgruppen sind dagegen verkleinert worden. Das ist aus pädagogischen Gründen zwar zu begrüßen, aber damit ist die Gesamtleistung größer geworden. Die Zahl der Dozenten und Professoren wurde nämlich kaum erhöht. Praktische Ausbildung findet heute zwar auch in „akademischen Lehrkrankenhäusern“ außerhalb der Unikliniken statt, auch auf hohem Niveau, der Löwenanteil bleibt dennoch bei den Hochschulen.

Drittens: Die Universitätskliniken erfüllen wichtige Aufgaben in der Krankenversorgung. In der Regel stellen sie das größte und von der Versorgungsstufe her das höchste Krankenhaus ihrer Region dar. Sie sind aus der Versorgung der Patienten nicht mehr wegzudenken.

Diese Strukturen, die den universitären Klinikbetrieb bestimmen, gelten insbesondere in ihrer Reihenfolge Wissenschaft, Lehre, Patienten heute noch immer als selbstverständlich. Als ich unlängst mit Hamburgs Wissenschaftssenator Leonhard Hajen (SPD), selbst Professor der Volkswirtschaft, über Strukturprobleme der Hamburger Uniklinik Eppendorf sprach, unterstrich er vor allem seine Verantwortung für den Wissenschaftsetat – 180 Millionen Mark. Mit keinem Wort erwähnte er Einnahmen und Ausgaben aus der Krankenversorgung dieser Klinik. Dabei ist der „Krankenetat“ mit fast 700 Millionen Mark gut dreimal höher als der Wissenschaftsetat.

Nach meiner Ansicht ist die skizzierte Dreiteilung weder zeitgemäß noch praktikabel. In dem Maße, in dem andere Krankenhäuser ihr Angebot an ihre ökonomischen Möglichkeiten, an die Vorstellungen der Krankenkassen und die Rahmenpläne ihrer Länder anpassen, bleiben nur noch die Universitätskliniken als Höchstleistungskrankenhäuser mit einem allumfassenden Angebot übrig. Aber auch sie müssen die Gebote der Wirtschaftlichkeit und humanen Krankenversorgung einhalten. Sie haben das in den letzten Jahren verstärkt getan, Leistungen verdichtet und gleichzeitig die Verweildauer der Patienten verkürzt.