Größe: 176 cm; Brust: 86,5 cm; Taille: 58,5 cm; Hüften: 86,5 cm; Schuhgröße: 40; Haarfarbe: dunkelbraun; Augen: dunkelbraun; Stimme: durchdringend.

Die Haut so glatt, daß man drauf Billard spielen möchte. Die Wangenknochen so perfekt, als hätte ein Computer sie entworfen. Die Beine so lang, daß man von oben Bungee springen könnte – Naomi Campbell ist Großbritanniens erfolgreichstes Model, seit Twiggy üppige Buffets entdeckt hat. Ein explosives Temperament. Wer mit ihr im Studio arbeitet, sollte eine schußsichere Weste tragen.

Nach monatelangen Drohungen und Gegendrohungen kündigte vorige Woche die amerikanische Model-Agentur Elite der 23jährigen Naomi den Vertrag. Da Elite zehn Prozent von Naomis beachtlicher Tagesgage (60 000 Mark) einsteckt, müssen sich die Dinge schon zugespitzt haben.

„Kein Geld und kein noch so großes Prestige könnten noch rechtfertigen, was sie unseren Angestellten und Kunden zumutet“, verlautete aus der New Yorker Festung. „Wer sie kennt, wird das verstehen.“ John Casablancas, Chef der Agentur Elite, ließ es sich nicht nehmen, noch eins draufzusetzen: „Sie fängt mit jedem Streit an und hat Wutanfälle wie eine Dreijährige. Dreijährige aber sind wenigstens süß dabei.“

In der Modewelt sind Naomis Geschichten bekannt: Stutenbisse auf dem Laufsteg, Balgereien in Bars, Chaos in den Umkleidekabinen. Und ewig und immer wieder: unpünktlich! Ihr Verhältnis zur Pünktlichkeit würde selbst British Rail erröten lassen. Doch wenn sie kam, mit eingezogenen Krallen, versteht sich, konnte noch ein alter Kartoffelsack wie Haute Couture an ihr aussehen. Und so standen die Topdesigner der Welt bei ihr Schlange, um sie für ihre Schauen zu gewinnen. Bis jetzt. Denn nun haben sogar diejenigen, die ihr Image aufgebaut und gepflegt haben, ihren schlechten Ruf registriert.

In Streatham (Südlondon), ihrem Geburtsort, finden einige Menschen noch nette Worte für Naomi. Carole White etwa, ihre britische Agentin, die meinte: „Ich habe sie noch nie fluchen gehört“, oder ihre Mutter Valerie, die glaubt, ihre Tochter sei Opfer einer Haßkampagne, weil sie die Agentur wechseln wollte.

Naomi Campbell verdankt ihrer Mutter viel. Zuerst einmal das gute Aussehen. Valerie Morris, die sich als Teenager in den späten Sechzigern durch die Londoner Discos tanzte, war als Fünfjährige mit ihren Eltern aus Jamaika eingewandert. Mit neunzehn hatte sie eine kurze Liaison mit einem Mann, dessen Namen sie niemals preisgegeben hat, der jedoch ihren Worten nach „gemischtrassig war, mit ein bißchen China“.