Von Sarah Kirsch

Alle paar Jahre meldet sich die Rezensentin, um eine besonders schöne Erscheinung dem geneigten Leser sehr zu empfehlen. Waren es letzthin dänische Dichter, Henrik Nordbrandt und Inger Christensen gar, so handelt es sich diesmal, o seltner Glückskarfunkel! um ein schmales Bändchen aus dem deutschen Sprachraum.

Christoph Wilhelm Aigner ist ein Dichter, dem es gelingt, mit Naturvokabeln Auskunft von Erde zu geben. Wir haben alles deutlich vor Augen, viel schöner als Fernsehn. Man muß in seiner eigenen Innenwelt eifrig trainieren. Erst kleine Ausflüge ums Haus, später die großen Expeditionen. Wetterstürze im Gebürge, sanfte gefährliche Gärten. Das Buch macht Kino im Kopf. Man gelangt durch Steine und Grenzen. Zwischen den Seiten steckt mehr Wildheit und Meskalin, als unsere und die österreichische Schulweisheit zugeben können.

Der Planet ist schön, schrecklich, und gerade begehbar. Es gibt Gedichte darauf, die Bibliotheken zusammenfassen. Eines ist „Mitten im Land“, ein anderes „Der Unsichtbare“.

Mitten im Land

Von den über Hänge

gestrafften Wiesen