Wozu ist ein Teddy noch gut, wenn ein Kind in die Jahre gekommen, sprich:

aus dem Teddyspielalter ist? Wegwerfen, verschenken, auf den Boden?

Diese Frage beschäftigt auch Washable. Von seinem Besitzer versehentlich nach dem Etikett getauft, leicht ramponiert und an manchem Glied geflickt, verläßt der kleine Braune seinen Ehrenplatz auf dem Sofa und zieht los, auf die Wiese, die Straße, ans Wasser, in den Wald, den Dschungel, in die Welt eben. Trifft allerlei Tiere und fragt teddyhaft und bärennaiv, wozu um alles in der Höhle er denn eigentlich gut und da sei.

Michael Ende, Autor von "Der Teddy und die Tiere", erzählt eine wunderschöne, witzige und kluge Geschichte, die schon seit längerem als Kassette vorliegt, jetzt aber sichtbar wird. Er schickt den pummeligen Washable auf dessen Lehr- und Wanderjahre, und ganz nebenbei erfahren wir, wies im Leben wirklich zugeht, was in der Welt, so wie sie ist, zählt. Und das ist für abgeschobene Bären wahrlich niederschmetternd, für kleine Zuhörer und große Vorleser dagegen sehr erhellend.

Fragt Washable die Maus, was denn der Sinn des Daseins sei, sagt sie spitz, Käse und Speck sammeln und die Familie ernähren. Die Biene, fleißig wie immer, meint, Honig sammeln, Waben bauen und dem Wohle des Staates dienen. Bei den Affen wiederum zählt nur eins, Vereine und Parteien gründen, kommandieren und gehorchen. Die eher philosophisch schwergewichtigen Elefanten schließlich grübeln über den Sinn des Sinns an sich nach. Armer Washable!

Doch so unerbittlich das Schicksal dem Teddy auch mitspielt, einer ist ihm freundlich gesonnen, der Illustrator Bernhard Oberdieck. Er haucht Washable ein Leben ein, das ihn schon auf der ersten Tafel unbekümmert und hoffnungsvoll vor dem dunklen Hintergrund erstrahlen läßt. Mal ist es die Perspektive, die in den realistisch gemalten Bildern Spannung schafft, dann wieder Ton in Ton gehaltene Farborgien: Der Mistfink piepst, in einer schmutzig grauen Pfütze planschend, vor gelblichtrübem Straßenhintergrund, seinen kecken Rat nach oben, zu Washable, der nur gewaltige Beine und Po zeigt. Die Begegnung mit der Schlange findet in gelbbraunem Wüstensand statt; Beklemmend wie ein Alptraum und leuchtend wie die Sonne. Vor dem eitlen Schwan, der Schönheit als höchstes Gut anpreist, verblaßt Washable gleich zum verzerrten Schemen im Wasser.

Und wie das so ist bei Teddygeschichten, wird letztendlich und schließlich doch noch alles gut. Washable findet seine Bestimmung in Gestalt eines armen Mädchens. Sie nimmt ihn zu sich mit nach Hause, und dafür schenkt er ihr sein ganzes Bärenherz. Wer jetzt fragt, ob Ende denn unbedingt einen so bärenkonservativen Schluß nehmen mußte, der muß sich sagen lassen: Er mußte. Denn, liebe Happy End Kritiker, mal ganz ehrlich: Wozu ist ein Teddy denn nun eigentlich da? Thienemanns Verlag, Stuttgart 1993; 32 S, 24- DM Schwein und Schweinchen. Das eine zum Schlachten, das andere zum Knuddeln. Je nachdem. Und so ist es nur allzu menschlich, daß Rosi, die Schweinezüchterin, ihrem Diminutiv Schwein ein Bettchen, ein Häuschen baut. Und es verwöhnt wie ein Kind. Sie lehrt es radfahren, Ball fangen, Klavier spielen, das Schweinchen als Schweinehündchen, als Schweinekindchen.