Von Werner Grassmann

In langer Reihe stehen die Gratulanten vor dem mit Girlanden geschmückten Triumphtor der efdo, der europäischen Filmvertriebsförderungsorganisation. Fünf Jahre alt ist das Baby jetzt, das der umtriebige Jungfilmfunktionär Dieter Kosslick mit Hilfe seiner guten Kontakte zur SPD 1988 gründete. Doch was er damals mit einem gewissen Augenzwinkern verkündete, scheint sich jetzt zu bestätigen: „Von Film verstehe ich eigentlich gar nichts!“

Auf dem Jubiläumsfest soll Bilanz gezogen werden. Aber das erweist sich bei genauerem Hinsehen als schwierig. Das Zahlenmaterial besteht im wesentlichen nur aus Daten über den Input, die eingesetzten Gelder. 60 Millionen Mark sollen das in fünf Jahren gewesen sein. Dazu kommen noch rund eine Million pro Jahr an Verwaltungskosten, von denen die sonst so sparsame Hansestadt Hamburg immer dreißig Prozent übernimmt. In diesem Jahr legen die Hamburger noch einmal 300 000 Mark extra auf den Tisch der Jubilare – für eine würdige Feier. Über den Output, also über das, was denn nun für dieses viele Geld bewirkt wurde, gibt es so gut wie kein Zahlenmaterial – zumindest nicht bei der efdo.

Doch deswegen muß man nicht im dunkeln tappen. Hilfreich für Neugierige ist das Filmstatistische Jahrbuch aus Wiesbaden, das amtlich Auskunft gibt über die Zahl der europäischen Filme, die auf den deutschen Kinoleinwänden zu sehen waren. Da steht für 1987, dem Jahr vor efdo, ein Anteil von 32,8 Prozent. Ab 1988 geht es dann im stetigen Gleitflug bergab. 1992 liegt der Anteil Europas bei 14,9 Prozent.

Nun ist die Halbierung des europäischen Filmanteils auf den deutschen Kinoleinwänden eigentlich kein Grund zum Feiern. Das sieht man wohl auch so in der Chefetage des efdo-Präsidenten in Düsseldorf. Hatte man bisher den Mißerfolg mit dem Geldmangel für die efdo-Projekte erklärt, schreibt Dieter Kosslick jetzt in der Hochglanz-Festivalbroschüre von einer „Kopfgeburt“, die immer „kompliziert und schmerzhaft“ sei. Aber da genau liegt die Schwäche: im Unterschied von Theorie und Praxis.

Liest man die Broschüre „INFO MEDIA 3“, dann erscheint das Media-Programm der EG als ein Riesenerfolg. Von 150 Mitgliedern in 25 Ländern ist da die Rede, von der Werbung „... mit dem europäischen Film für den europäischen Film“ auf allen wichtigen Festivals der Erde. Vier Millionen ECU (acht Millionen Mark) werden als Vertriebsförderung der efdo aufgelistet. Aber was damit nun eigentlich bewirkt wurde, darüber gibt es keine Informationen.

Im Euro-Media-Hauptquartier in Brüssel, einer vielarmigen Filmförderungskrake mit einem Jahresetat von knapp einhundert Millionen Mark, ist man über den „efdo-Erfolg“ besorgt. Bisher galt den Befürwortern des Brüsseler Euro-Puddingtopfes die Verleihförderung als Paradebeispiel für europäische Filmpolitik. Doch nun wächst die Befürchtung, daß auch die anderen Filmförderungsinstitutionen an Akzeptanz bei den Politikern verlieren könnten.