Von Bartholomäus Grill

Umstritten ist eigentlich nur das S. Muß es Builders Training Centre heißen oder Builder Training Centre? Momentan steht es noch in der Einzahl da: Bauausbildungszentrum Soweto. Den Leuten, die täglich hier anklopfen, ist die Grammatik freilich ohnehin egal. Sie suchen einen Job. Und dieses Projekt mitten in Soweto ist ein Sprungbrett aus der Massenarmut.

Außerdem ist es als Maßnahme gegen die ausufernde Kriminalität gedacht. Die Ausbildungsstätte arbeitet mit dem Institut für Verbrechensverhütung zusammen und holt gefährdete Zeitgenossen von der Straße. „Lieber Ziegelsteine aufeinandersetzen, als sie durch Fensterscheiben schmeißen“, sagt Franz Hanisch. Das ist der erste und einzige Lehrsatz des Maschinenbauingenieurs i.R. Ein Praktiker wie er, der im Rentenalter zur Entwicklungshilfe stieß, braucht keine großen Theoriegebäude. In Soweto wird angepackt, weil der Bedarf riesig ist: zweieinhalb bis drei Millionen Einwohner, die Hälfte der Erwerbsfähigen ohne Arbeit, neun von zehn Häusern schimmlig und windschief, außerdem viel zu klein für die Großfamilien der Schwarzen.

Weil sich die weiße Regierung wenig um den allgegenwärtigen Mangel schert, hilft nur eines: Hilfe zur Selbsthilfe. Im Lehrlingszentrum von Soweto funktioniert das hehre Prinzip sogar einmal. Zwölf Azubis lernen das Rüstzeug des Maurers, Zimmermanns und Klempners – eine handwerkliche Rundumausbildung, die in diesem Fall drei Fliegen mit einer Schaufel schlägt: Es werden Arbeitsplätze geschaffen, Einkommen gesichert und Wohnverhältnisse verbessert. Schon nach kurzer Zeit wenden die Lehrlinge ihre Kenntnisse praktisch an. Sie nehmen am Wochenende Werkzeug mit nach Hause und setzen matchbox-Häuser in der Nachbarschaft instand. Die Unterkünfte heißen so, weil sie ungefähr so geräumig sind wie Streichholzschachteln.

Warum das Projekt gut funktioniert? „Ganz einfach“, erklärt Simon Mohale. „Wir haben es nicht von heute auf morgen in die Township hineingepflanzt. Die Leute nehmen es nur an, wenn sie selber etwas davon haben.“ Daß die Gemeinde die Lehrstätte akzeptiert hat, ist in erster Linie Mohales Verdienst. Er ist nicht nur ein perfekter Handwerker (Maurerlehre in Soweto, Zimmererausbildung in Potsdam, Studium der Ingenieurpädagogik in Magdeburg), sondern auch ein Mittler zwischen Kommune und Projektleitung. „Ja, unser Simon, wenn wir den nicht hätten...“, schwärmt Franz Hanisch.

Und wenn sie Klaus Volker Schuurman nicht hätten. Der quirlige Geschäftsführer der Deutsch-Südafrikanischen Handelskammer in Johannesburg ist der Dritte im Bunde. Er kümmert sich ums Geld. „Ich schnorre die deutschen Unternehmer an“, sagt er lachend. Denn: „Wir haben auch soziale Verpflichtungen in diesem Land.“ In der Tat: Den Firmen aus der Bundesrepublik, die selbst in den Jahren des Wirtschaftsboykotts am Kap satte Profite einfuhren, steht es nun gut an, ein paar Rand für die Wohlfahrt zu spendieren. Normalerweise haben sie nur Interesse an hochqualifizierten Fachkräften.

Unterdessen hat sogar der Verband der Bauindustrie Bifsa die Ausbildung anerkannt. Die Azu- bis erhalten nach einjähriger Lehrzeit ein Zertifikat. „Aber wir qualifizieren nicht unsere Leute, um sie als billiges Arbeiterpotential den Bauriesen in den Rachen zu werfen“, stellt Hanisch klar. „Wir ziehen Langzeitarbeitslose quasi am Schnürsenkel hoch. Sie sollen nicht Hilfsarbeiter werden, sondern Kleinunternehmer, die nach dem Schneeballprinzip kleine Firmen gründen und neue Arbeitsplätze schaffen.“