Von Peter Freyberg

Alles ist schon einmal dagewesen. Erinnern wir uns noch einmal zurück: In den sechzig ger und siebziger Jahren offerierten Banken und Sparkassen das schmucke Gehaltskonto zum Nulltarif. Allein die Rationalisierungsvorteile aus dem Wegfall der Lohntüten sollten den – zugegeben – nicht unbeträchtlichen Kostenaufwand für die Institute tragbar machen. Lange dauerte es freilich nicht, bis die ersten Geldhäuser mit bescheidenen drei Mark Monatspauschale in das Gebührenkarussell einstiegen. Heute müssen sich die Bankkunden daran gewöhnen, daß nahezu jeder Handgriff der Damen und Herren hinter dem Banktresen einen eigenen Obolus kostet: Vom Kontoauszug bis zum Ausfüllen des Überweisungsvordrucks – alles wird jetzt separat berechnet. In vielen Familien summieren sich die jährlichen Kontoführungsgebühren bereits auf mehrere hundert Mark.

Bei Wertpapiergeschäften gehen die Institute ähnlich vor: Ein paar Mark Gebühren wurden etwa für den Handel mit einzelnen Belegschaftsaktien zwar schon immer verlangt. Aber heute schämen sich manche Geldhäuser nicht, ihren Kunden satte 25 bis 100 Mark pro Auftrag in Rechnung zu stellen. Vorbei sind die anfangs bewußt geschürten Hoffnungen mancher Sparer, die moderne Technik würde alles billiger und die Aktie als Anlage populärer machen: Heute kosten vollautomatisch per Computer abgewickelte Transaktionen ein Mehrfaches dessen, was zu. Zeiten des Bankboten und des Orderbuches verlangt wurde.

Auch zusätzliche Gebühren für das Führen von Investmentkonten sind kein Tabu mehr: Über kurz oder lang werden wohl die meisten Fondsgesellschaften ihren Kunden einen Sonderobolus für die Computerdienste abverlangen.

Dasselbe Bild auf dem Kreditkartenmarkt: Noch vor wenigen Monaten bemühte sich die deutsche Finanzwirtschaft, ihren Kunden das Plastikgeld mit attraktiveren Konditionen schmackhaft zu machen. Mittlerweile sind die bunten Plastikkarten millionenfach im Umlauf, und prompt wird manches teurer: höhere Umrechnungsprovisionen etwa bei der BHW-Visa-Karte, höhere Jahresgebühren etwa beim „Barclays Doppel“, ungünstigere Umrechnungsmodalitäten bei den Karten von VW und Audi. Schon überlegen Einzelhändler und Tankstellenpächter, als Ersatz für die hohe Umsatzprovision der Kartenemittenten auch den „Plastikkunden“ noch einen eigenen Beitrag abzuverlangen. Kurzum: Auch die Kreditkarte ist nicht mehr das, was sie zu Zeiten der reinweißen Eurocard einmal war.

Richtig verdient wird freilich dann, wenn der Kunde eine gewisse Scheu vor Vater Staat an den Tag legt. Gemeint sind hier nicht die dubiosen Anbieter komplizierter Steuerspar-Objekte, die mit dem Steuertrick alljährlich mehr als fünfzig Milliarden Mark in dunkle Kanäle verschwinden lassen. Gemeint sind vielmehr die deutschen Geldhäuser, deren Dependancen in Luxemburg sich zunehmend eine goldene Nase verdienen. Als Ende der siebziger Jahre das Großherzogtum in einer der schwersten Krisen seiner Existenz als internationaler Finanzplatz steckte, waren selbst Kleinanleger gerne gesehene und intensiv umworbene Kunden. Noch Mitte der achtziger Jahre priesen sich die Geldhäuser des Kleinstaates, nicht nur „besser als die Schweizer Kollegen, sondern auch viel billiger“ zu sein.

Spätestens mit der Einführung der leidigen Zinsabschlagsteuer in Deutschland ist das Wort „billig“ aus dem Wortschatz der Luxemburger Bankiers verschwunden. Als deutsche Kunden in Scharen die Schalter der Institute stürmten, kletterten nicht nur die Mindestanlagebeträge, sondern auch die Gebühren. Ein paar Beispiele aus den Konditionentableaus deutscher Institute: Drei Prozent, mindestens aber hundert Mark berechnet die Luxemburg-Tochter der Berliner Bank, wenn Kunden am Schalter Zins- oder Dividendenscheine der Konkurrenz zur Einlösung vorlegen. Die DG Bank zweigt gar fünf Prozent des Einlösungsbetrags für sich ab, ist dafür aber mit einer Mindestgebühr von 75 Mark zufrieden. Großzügigkeit gibt’s hier nur bei Eigenemissionen, deren Erträge kostenfrei eingelöst werden – eine Dienstleistung, die bei den Kollegen der Dresdner Bank auch schon mit zwei Prozent, mindestens aber zwanzig Mark pro Posten zu Buche schlägt.