ZEIT: In Ihrem Institut, dem deutschen Fernerkundungsdatenzentrum, sind die Daten gespeichert, die Satelliten zur Erdbeobachtung aufzeichnen. Was können Wissenschaftler mit diesen Informationen aus dem All anfangen?

Markwitz: Es gibt unzählige Möglichkeiten. Der europäische Meteosat etwa wird zur Wettervorhersage benutzt. Dann gibt es Landsatelliten, die seit mehr als zwanzig Jahren präzise Aufnahmen des Bodens liefern. Der europäische ERS-1 dient in erster Linie der Meeres- und Polarforschung. In irgendeiner Form liefern sie Antworten auf Umweltfragen. Sie machen Phänomene sichtbar, die sonst nicht sichtbar wären, und sie schaffen das auch in Gegenden, die nur schwer zugänglich sind wie die Antarktis oder die tropischen Regenwälder.

ZEIT: Können Sie konkrete Beispiele nennen?

Markwitz: Ein für die Fernerkundung sehr typisches Thema ist die Verlandung von Seen, zum Beispiel dem Aralsee. Wir wissen, daß sich die Fläche des Sees in den letzten dreißig Jahren halbiert hat – die ökologischen Folgen sind extrem. Wie konnte das passieren? Die Zuflüsse des Aral-, sees wurden für Bewässerungsprojekte benutzt. Künstliche Bewässerung ist sicher eine feine Sache, aber als Folge davon verlandet nun der See. Das können wir dokumentieren. Der See wird jährlich von Satelliten aus aufgenommen. Sie brauchen natürlich Zusatzinformationen über die Tiefe des Sees. Wenn der Prozeß so weitergeht wie bisher, läßt sich voraussagen, daß im Jahr 2000 nicht mehr viel vom großen Aralsee übrig sein wird. Das ist ein charakteristisches Verfahren: Daten nicht nur einmal, sondern in regelmäßigen Abständen immer wieder zu erfassen und miteinander zu vergleichen.

ZEIT: Lassen sich solche Veränderungen nicht auch vom Boden aus aufspüren? Zum Beispiel könnten die Behörden regelmäßig den Wasserstand des Aralsees messen.

Markwitz: Das ist möglich. Aber die Fernerkundung liefert eine objektive Dokumentation. Man mißt physikalische Größen, an denen nicht gedeutelt werden kann. Und vieles läßt sich vom Boden aus nicht oder nur schlecht erfassen. Den Schwund der Regenwälder etwa können Sie großflächig nur mit Satelliten dokumentieren. Für andere Methoden sind die Gebiete zu groß oder zu schwer zugänglich. Auch das Ozonloch wurde ja mit Hilfe der Fernerkundung bestätigt. Wir können sichtbar machen, was sich da tut und wie die Entwicklung voranschreitet. Man hat herausgefunden, woran das liegt, und mit dem Verbot der FCKW die Konsequenzen gezogen. Das ist das klassische Vorgehen bei der Fernerkundung: messen, Ursachen erforschen und dann reagieren. Nur sind für die Reaktionen nicht die Techniker und Wissenschaftler verantwortlich, das müssen Politiker tun.

ZEIT: Werden auch in Deutschland Satellitenbilder benutzt?