Von Wolfgang Zank

Die drei grünen runden, vielleicht zwanzig Meter hohen Reaktortürme der Anlage sind schon von weitem zu sehen. Dann geraten auch die vier kleineren kreisrunden Vor- und Nachtanks und ein helles, flaches Verwaltungsgebäude mit angeschlossener Halle ins Blickfeld. Rechter Hand steht der kastenförmige Überbau der Gülleaufnahme: Im dänischen Lemvig steht die größte Biogasanlage der Welt. In den drei Reaktoren verrotten unter Luftabschluß täglich rund 440 Tonnen Gülle und anderer organischer Abfall. Dabei wird Biogas freigesetzt, hauptsächlich Methan, welches über eine rund vier Kilometer lange Leitung ins Fernwärmewerk der nahe gelegenen jütischen Hafenstadt Lemvig geschickt wird. Die rund 7000 Einwohner Lemvigs können ihren Energiebedarf im Sommer gänzlich, im Winter immerhin zu einem Viertel mit dem Biogas decken.

Jørgen Kristiansen, Maschinenmeister und Operateur der Anlage, führt den Besucher in die Halle für die Gülleaufnahme. Ein Tankwagen wird gerade entladen. „Das dauert vielleicht drei bis vier Minuten“, erläutert Kristiansen. Der gesamte Prozeß muß schnell gehen, denn der Gülle-Transport ist nach wie vor einer der größten Kostenfaktoren der Anlage. Beim Einpumpen der Gülle bleiben die Hallentüren geschlossen, um die Nachbarn vor Gerüchen zu verschonen. Bei anderen Anlagen hatte es gelegentlich Klagen gegeben, die zu Nachbesserungen zwangen.

Jørgen Kristiansen öffnet eine größere Klappe im Boden. Der Blick wird frei auf eine grüngraue Masse, die in der Tiefe rotiert. „In diesem Tank geben wir noch organischen Industrieabfall hinzu. Wir bekommen das Material von der Fischfabrik in Thyborøn, von der Schlachterei in Lemvig oder anderen Verarbeitern.“ Die Gasproduktion der dänischen Anlagen stieg steil an, als man dazu überging, die Gülle mit etwa fünfzehn Prozent Industrieabfall zu versetzen. Dieses Material ist im Gegensatz zur Gülle noch unverdaut und hat einen höheren Energieanteil.

Neben der Halle mit der Gülleaufnahme liegen vier kreisrunde Betontanks, in denen die Gülle gelagert wird. „Die Viecher scheinen sehr viel Sand zu fressen“, erklärt Jørgen Kristiansen, „jedenfalls enthält die Gülle rund zwei Prozent davon. Das hatte bei den älteren Anlagen teilweise zu gewaltigen Problemen geführt. Wir haben das hier recht einfach gelöst: Die Gülle wird zunächst mit einer Art großem Löffel dauernd umgerührt. Der Sand sammelt sich in der Mitte, wo wir ihn dann herausbefördern.“

Die eigentliche Produktion geht in den großen Reaktoren vor sich. Sie sehen aus wie große grüne Zylinder, die scheinbar auf etwas breiteren Trommeln aufsitzen. Unmengen von verschiedenen Bakterien knacken dort komplexe organische Verbindungen, machen daraus erst Säuren und dann das Gas. Im unteren, verdickten Teil der Reaktoren liegen die großen, spiralförmigen Ausgangsröhren. Es dauert einen Tag, bis die Gülle die Spirale passiert hat. Auf diese Weise ist garantiert, daß auch wirklich jedes einzelne Partikel für mindestens 24 Stunden auf über fünfzig Grad aufgeheizt wurde. Besondere Hygienisierungstanks sind damit in Lemvig überflüssig.

An einem Computerterminal kann Jørgen Kristiansen den Zustand jeder Produktionsstufe verfolgen. „Wenn das Produktionsniveau so bleibt, kommen wir heute auf eine Tagesproduktion von 13 400 Kubikmetern. Den Budgets zufolge machen wir ab 12 000 einen Überschuß.“