Der „Palast“ könnte – nach seiner Sanierung – bereits in naher Zukunft zu einem bedeutenden Kultur- und Kommunikationszentrum gemacht werden. Damit wäre zugleich ein Stück Ödland in Berlins City beseitigt...

Nun aber soll das Haus weg – und zwar so schnell wie möglich.

Diese Hast bei einer so wichtigen Entscheidung kann durch nichts begründet werden, und es ist mir auch keine solche offiziell geäußerte Begründung bekannt...

Ich verstehe sehr gut und sage dies okne jeden Vorwurf, daß Frau Schwaetzer und Herr Diepgen – ebenso wie Frau Meier aus Bamberg und Herr Müller aus Leverkusen – ihr Herz nicht an den „Palast“ hängen. Sie haben ihn nicht mitbezahlt – wie wir –, und sie haben ihn nicht erlebt – wie wir – mit seinen tausend Möglichkeiten, die er bot: sich geistig und körperlich zu stärken, sich zu treffen, mit den Kindern Frühling, Herbst oder Weihnachten zu feiern, Musik zu hören und Interpreten zu erleben von Schreier bis Lindenberg, von Bécaud bis Emmerlich – ja, Sport zu treiben, zu telephonieren und Briefmarken zu kaufen... oder sich einfach nur auszuruhen vom Stadtbummel.

Und ausnahmsweise hatte hier auch zu DDR-Zeiten jeder die Freiheit, aus dem Angebot das ihm Angenehme zu wählen und das nicht Gewollte zu lassen...

Überdenken Sie Ihren Entschluß bitte noch einmal, wenn Sie denn für den Abriß sind. Bedenken Sie bitte, daß uns, die wir den „Palast“ angenommen und ihn mit unserem knappen Geld mitbezahlt haben, durch sein Niederreißen weitere Schmerzen zugefügt würden. Jeder Schlag der Abrißbirne würde uns in der Seele treffen...

Bedenken Sie bitte auch dies: Der Abriß des Berliner Schlosses Anfang der 50er Jahre – ein Sakrileg, geschuldet der Dummheit und Arroganz, der Rücksichtslosigkeit und kriminellen Energie – schlug und schlägt auf die damals Regierenden zurück, wie kaum etwas anderes, das ihnen anzulasten ist. Der Abriß des „Palastes“ hätte ähnliches zur Folge, und es würden Jahrzehnte lang Artikel und Bücher geschrieben, Filme und Sendungen produziert und publiziert, die in Wort und Bild „Palast“, Veranstaltungen, mitwirkende Künstler und fröhliche Besucher beschreiben, dazu noch die Zerstörung und ihre Befürworter.

Aus einem offenen Brief von Dietrich Herfurth aus Berlin, an die Mitglieder des Deutschen Bundestages, in „Neues Deutschland“