Wer hat die Glühbirne erfunden? Simple Frage, überraschende Antwort: Thomas Alva Edison, gemeinhin als Entdecker gefeiert, war nicht der erste. Zwar stimmt es, daß der legendäre Amerikaner bis 1881 mehr als 7000 verschiedene Materialien als Glühfäden ausprobiert hatte, bevor ihn schließlich verkohlte Bambusfasern zufriedenstellten. Um seine neuen Leuchten auch verkaufen zu können, ließ Edison 1882 in New York gleich noch das erste öffentliche Elektrizitätswerk errichten.

Pech indes, daß er seine Konkurrenz mit Prozessen überzog und dabei auf einen alten Mann namens Heinrich Goebel stieß. Dem war nämlich schon 25 Jahre vorher ein Licht aufgegangen. Goebel, 1848 aus Springe bei Hannover in die USA eingewandert, konnte vor Gericht nachweisen, daß er bereits 1854 gebrauchsfähige Glühbirnen hergestellt hatte - sogar ähnliche wie Edison, und zwar mit Bambusfasern, die er von seinem Spazierstock abgesplittert hatte. Der aufgezwungene Prozeß machte Heinrich Goebel bekannt. Großen Nutzen konnte der gelernte Uhrmacher im Gegensatz zu Edison aus seiner Erfindung indes nicht mehr ziehen; er lebte mit seiner Familie in New York zeitlebens in ärmlichen Verhältnissen.

Die Geschichte elektrotechnischer Erfindungen hat jetzt der Hannoveraner Elektroingenieur Hans Jürgen Weinert in einem Buch dokumentiert. Weinert sitzt direkt an der Quelle: Seit 1979 leitet der heute 56jährige das Elektrotechnische Museum der Hannover Braunschweigischen Stromversorgungs AG (Hastra) in Hannover. Das Museum des zur Preussag gehörenden Unternehmens präsentiert rund tausend Exponate aus den Kindertagen der Haushaltselektrik.

Doch die Reise in die Frühgeschichte geht über Toaster und Telephon, Glühbirne und Waschmaschine weit hinaus. Wer wußte schon, daß im alten Rom angefaulter Urin aus den öffentlichen Bedürfnisanstalten zum Waschen herhielt? Seife war unbekannt. Der ammoniakhaltige Saft verband sich mit dem Fett der Schmutzwäsche zu einer schwachen Lauge, die Wäscher, fullones, mit den Füßen kräftig ins Gewebe walkten. Da sich kein Römer die Füße schmutzig machen wollte, blühten gewerbliche Waschanstalten. Was Kaiser Vespasian zu einer hohen Steuer auf die Betriebe veranlaßte und zu dem denkwürdigen Satz "Pecunia non ölet" - Geld stinkt nicht.

Der galt noch, als fast 2000 Jahre später in den deutschen Haushalten der goldenen Zwanziger die Bottichwaschmaschinen der Firmen Miele und Scando zu surren begannen. Die Pioniermodelle nahmen der Hausfrau nur das Rühren der Wäsche ab, sie heizten und schleuderten noch nicht. Mit dem "Waschwunder Elwira", dem Dampfkessel einer Lokomotive nicht unähnlich, konnte man immerhin auch Badewasser erhitzen oder Obst einkochen.

Solchen Luxus konnten sich nur Besserverdienende leisten. Gleiches galt auch für das Grammophon, das Emil Berliner im Jahre 1887 erfand. Der Hannoveraner, der erklärtermaßen als Erfinder zu Geld kommen wollte, ging 1870 als Neunzehnjähriger nach New York und entwickelte dort die direkten Vorläufer von Plattenspieler und Schallplatte. Den Kampf gegen Edisons Tonwalze gewann Berliner schnell. Zur Produktion seiner Grammophone gründete er mit seinem Bruder Joseph unter anderem 1898 in Hannover die Deutsehe Grammophon Gesellschaft (DGG), die später zur führenden deutschen Klassikschallplattenmarke aufstieg.

Nicht alle konnten so triumphieren. Als etwa Philipp Reis 1861 in Frankfurt am Main ein Gerät namens "Telephon" vorstellte, wurde die revolutionäre Idee völlig verkannt und als physikalisches Spielzeug abgetan "Das Pferd frißt keinen Gurkensalat" waren die Worte, die Reis bei der Vorführung in seinen Apparat hineinsprach - die ersten, die ein Telephon auf dieser Welt transportierte. Dennoch blieb dem Genie der Durchbruch versagt, seine Erfindung war schlicht um Zwanzig Jahre zu früh gekommen. Auch Demonstrationen vor König Max von Bayern und dem Kaiser von Österreich nutzten nichts. Reis starb verbittert im Jahre 1874. Mehr Fortune hatte da zwei Jahre später sein Erfinderkollege Alexander Graham Bell. Als der Schotte 1876 sein Telephon beim US Patentamt anmeldete, kam er dem wesentlich klarer gefaßten Patentanspruch seines Rivalen, des Amerikaners Elisha Gray, um genau zwei Stunden zuvor - und ging in die Geschichte ein. Mit welchen Widerständen technischer Fortschritt mitunter zu kämpfen hatte, zeigt auch eine Notiz aus der Kölnischen Zeitung von 1819. Unter der Überschrift "Jede Straßenbeleuchtung ist verwerflich" polemisierte das Blatt seinerzeit gegen die Einführung von Gaslaternen. Neben theologischen Gründen ("Eingriff in die Ordnung Gottes") und polizeilichen ("macht die Pferde scheu und die Diebe kühn") mußten damals auch philosophisch moralische Gründe herhalten: "Die Sittlichkeit wird durch Straßenbeleuchtung verschlimmert . Diese Helle macht den Trinker sicher, daß er in Zechstuben bis in die Nacht hinein schwelgt, und" - Höhepunkt öffentlicher Entrüstung - "sie verkuppelt Paare".