Wer im kommenden Jahr an den Olympischen Winterspielen im norwegischen Lillehammer als Besucher teilnehmen will, hat nur noch geringe Chancen, Tickets zu erstehen. Doch nicht nur wegen dieses sportlichen Großereignisses giltt: Norwegen als Touristenland boomt.

Deutschlands bekanntester Langläufer Jochen Behle läßt sich gerne im Werbeprospekt des Deutschen Reisebüros, der Generalagentur beim Verkauf von Olympiabilletts, zitieren: „Die Olympischen Winterspiele Lillehammer 1994 werden die Spiele schlechthin.“

Anders als vor zwei Jahren im französischen Albertville läßt sich der norwegische Ort als winterliches Idyll besser verkaufen: Schnee gehört in dieser Region Skandinaviens zur gewöhnlichen Naturausstattung von November bis März. Kein Wunder also, daß auch viele Deutsche sich nicht damit begnügen wollen, the games im öffentlichrechtlichen Fernsehen oder bei Eurosport zu goutieren.

Das dem deutschen Markt zugeteilte Kontingent von 18 000 Tickets wurde binnen weniger Wochen fast restlos verkauft. Die Preise waren happig: Eine Karte für die Eröffnungsfeier kostete beispielsweise 208 Mark.

Ohne Pauschalreise freilich wäre selbst der Besitz von Billetts sinnlos, es sei denn, man hat schon Jahre vorher in der Olympiaregion ein Hotelzimmer gebucht. Und bei den Preisen seiner Reisepakete konnte das Deutsche Reisebüro zuschlagen: Von 2416 Mark (Schlafplatz in einer Schule) bis zu 8230 Mark (Platz in einem Apartment direkt in Lillehammer) für die gesamten Spiele vom 12. bis 27. Februar kosteten die Pauschalen.

„Das sind Unterbringungsmöglichkeiten, wie wir sie normalerweise nicht anbieten“, räumt Silke Wagner von der DER-Pressestelle ein, „aber das ist nun mal das alte Gesetz von Angebot und Nachfrage.“ Soll heißen: Das Angebot könnte schmaler nicht sein, die Nachfrage steht dem im umgekehrten Verhältnis gegenüber. Das norwegische Organisationskomitee billigt seinen Landsleuten neunzig Prozent aller Tickets zu – und hätte das Zehnfache davon verkaufen können.

Daß es noch Restkarten geben wird, hält Silke Wagner für möglich: „Für die Eishockeyvorrunde mit den Deutschen oder die Damenabfahrt in der Kombination“ – olympische Ereignisse minderer Güte – seien noch Tickets zu erwarten. Noch weiß das DER nicht, wann die letzten Billetts verkauft werden können: „Nachfragen bei den DER-Stellen hilft.“