Üblicherweise hocken Hexen ja in Weißdornbüschen und Schwarzem Holunder. Die abgestürzte, dunkle Fee aus Allsburgs schönem Märchen fällt (weniger poetisch) ins Kürbisbeet der braven Witwe Moos. Weil die alte Frau ein freundliches Herz hat, bettet sie die vom Himmel gefallene Zaubersfrau ins eigene Haus und läßt sie da vom Sturz genesen.

Am nächsten Morgen ist die Circe längst davon, zurück bleibt ihr Hexenbesen. Das fürs Hexenfliegen untauglich gewordene Reisevehikel beginnt, sich im Haus nützlich zu machen: fegt, putzt, kehrt, schafft, rackert und barabert, zeigt sich arbeitswütig und gelehrig, erlernt sogar das Klavierspiel.

Wie in allen wahren Märchen wendet sich das Idyll durch Dumpfsinn, Mißgunst und Bösartigkeit neidischer Nachbarn. Männer der Umgebung wittern Beelzebub im tüchtigen Wischreisig.

Schließlich reizen, traktieren und quälen zwei Dorfjungen das gutmütige Zauberwerkzeug und hetzen den Hund auf das "Teufelsstück".

Es endet, wie im berüchtigten Malleus male fimen, verlangen von der verängstigten Witwe die Auslieferung des Teufelsbesens. Lustvoll und gründlich bereiten sie ein Autodafe für das "Buhlzeug des Bösen" vor, glotzen in stumpfer Befriedigung und bigotter Lust in die Flammen, wo das "Teufelszeug" auf dem Scheiterhaufen zu Tode brennt.

Die Geschichte endet nicht so wie Hunderttausende in den grauenvollen drei Jahrhunderten der Hexenverfolgung, als millionenfach Europas Scheiterhaufen brannten.

Trotz des versöhnlich schönen Schlusses bleibt allerdings ein leises Schaudern zurück. Denn Allsburg ist eben kein Erfinder seichter Histörchen aus Kiddybook Land, sondern breitet in all seinen berühmten und mit Preisen überschütteten Bilderbüchern via ästhetischer Brillanz das Unheimliche aus.