Individualreisen mit dem Auto in die drei baltischen Staaten erfordern weiterhin Improvisationsvermögen. Hotelbetten sind knapp und teuer, bleifreies Benzin ist kaum erhältlich.

Am polnisch-litauischen Grenzübergang Lazdiaij, der bei der Anreise aus westlicher Richtung mit dem Auto vorgeschrieben ist, drohen nach wie vor stunden-, gelegentlich gar tagelange Wartezeiten. Weiterhin muß die russische Enklave rund um Königsberg von Transitreisenden umfahren werden.

„Wir empfehlen Autotouristen darum als bequemere Alternative die Anreise mit der Fähre“, sagt Rene Wencelides, der Geschäftsführer des Baltischen Reisebüros. Diese Münchner Firma (Bayerstraße 37, 80335 München, Tel. 089/59 36 53) nimmt zugleich für Estland und Lettland die Funktionen eines offiziellen Fremdenverkehrsbüros wahr.

Von Kiel aus legen die beiden Mercuri-Fähren jeweils dienstags nach Klaipeda (Memel), mittwochs nach Kaliningrad (Königsberg) sowie freitags und sonntags nach Riga ab. Die Überfahrten dauern je dreißig, nach Riga vierzig Stunden. (Generalagent Schnieder-Reisen, Harkortstraße 121, 22765 Hamburg, Tel. 040/38 02 06 33). Kürzere und häufigere Fährverbindungen gibt es zwischen Stockholm und Riga (siebzehn Stunden), Stockholm und Tallinn (vierzehn Stunden) sowie Helsinki und Tallinn (fünf Stunden).

Auch nach der Ankunft in einem der baltischen Häfen muß sich der Autofahrer auf mancherlei Widrigkeiten einstellen. Die Versorgung mit Treibstoffen bereitet weiterhin Schwierigkeiten, vor allem bei bleifreiem Benzin. Unter Experten gilt das Baltikum zudem als Autoschieberland. Man sollte sein Fahrzeug nur an bewachten Plätzen abstellen, um sich vor Autodiebstählen und -aufbrüchen zu schützen.

Für keines der Länder liegen gegenwärtig autorisierte Hotel-, Pensions- oder Campingführer vor. Den zuständigen Behörden mangelt es nach wie vor an Geld und Know-how. Generell sind Gästebetten zwischen Vilnius und Tallinn knapp: „In der Millionenstadt Riga gibt es nur fünf bis sechs empfehlenswerte Hotels“, klagt Wencelides. Er hofft auf eine Entlastung durch das „Radisson Riga“, das im kommenden Jahr eröffnen und sich zumindest in der größten Stadt des Baltikums mäßigend auf die derzeit noch hohen Preise auswirkt. „Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt nicht“, meint auch Rainer Neumann, Verkaufsleiter bei Schnieder-Reisen.

Die baltischen Staaten haben das wirtschaftliche Potential des Tourismus nach Neumanns Einschätzung noch nicht erkannt. Bislang kamen aus Deutschland vor allem „Heimwehtouristen“, die die nach dem Zweiten Weltkrieg verlassenen Wohnorte ihrer eigenen Jugend oder ihrer Eltern wiedersehen wollten.