Der Leser, der in der Überschrift dieser Kolumne einen Druckfehler vermutet, offenbart einen betrüblichen Mangel an Kenntnissen in einer Disziplin, die mehr und mehr unser Alltagsleben bestimmt: Ich spreche von der empirischen Verhaltensforschung. Sie hat uns gelehrt, daß mit hoher Wahrscheinlichkeit der Zweifel nur eine Vorform des Zwiefels darstellt – jedenfalls gilt dies für das männliche Geschlecht, bei dem der Zwiefel im Schnitt fünfzehn bis zwanzig Monate nach dem Zweifel auftritt.

Unzulässigerweise bin ich – der Kenner hat es längst bemerkt – vom Hund auf den Menschen gekommen, denn die Untersuchung, auf die ich mich beziehe, wurde an Hamlet und Asta, zwei Konstanzer Boxerhunden, vorgenommen. Doch drängen sich die Parallelen zum Homo sapiens auf – insbesondere, wenn man an die Schlußfolgerung aus dem hündischen Experiment denkt: „Was dem Verhalten recht ist, muß dem Erleben billig sein.“

Nicht nur dieses Zitat ist zitiert. Das bisher Gesagte ist nichts als die trockene Zusammenfassung eines brillanten Artikels, den Mario von Cranach zur Festschrift für Ernst August Dölle beigetragen hat, die unter dem Titel „Dichotomie und Duplizität“ 1974 erschien (heute von den meisten Lesern verlegt und beim Verlag vergriffen). Ernst August Dölle ist eine Fiktion, aber die ihm gewidmete Festschrift spiegelt die Wirklichkeit eines Faches. Hier gelang ein erkenntnisförderndes Experiment, in dem die Grenzen von Realität und Phantasie produktiv verschwimmen. Ich erinnere mich, wie einer der Festschrift-Initiatoren, Klaus Foppa, mich bat, in der Dölle-Bibliographie die drei komischsten Titel zu nennen: Zwei davon waren echt.

Der große englische Mediziner, Biochemiker, Sinologe und Wissenschaftshistoriker Joseph Needham, dessen seit 1954 erscheinendes Werk „Science and Civilisation in China“ ein Klassiker wurde, ist keine Fiktion. In der ihm zu seinem 70. Geburtstag gewidmeten Festschrift wird sein Leben von einem Henry Holorenshaw beschrieben, der dreist von sich behauptet, er kenne Needham „seit mehr als sechzig Jahren besser als viele andere“, und der dem damit verbundenen Anspruch durch verblüffende Detailkenntnis und eine liebevolle Einfühlung in den Gegenstand seines Essays gerecht wird.

Der Nichtfachmann brauchte einige Zeit, um herauszufinden, daß Needham unter dem Pseudonym Henry Holorenshaw 1939 ein Buch über die Levellers verfaßt und folglich sich selbst zum ironischen Objekt seiner biographischen Studie gemacht hatte.

Wenn es auf der einen Seite wahr ist, daß nichts den Niedergang einer Disziplin so deutlich belegt wie die Schnelligkeit, mit der Bücher über sie geschrieben werden, so gilt vielleicht umgekehrt, daß es kaum überzeugendere Belege für die Souveränität eines Faches gibt als die Qualität der Parodien, die es provoziert.

So wird die von Jürgen Mittelstraß (Konstanz) herausgegebene Enzyklopädie „Philosophie und Wissenschaftstheorie“ zu einer spannenden Lektüre, sobald man auf den am 1. April 1702 in Osterode geborenen Theologen, Botaniker und Philosophen Johann Jakob Feinhals trifft, den Hauptvertreter der sogenannten Harzer Mission, der in Java wirkte, an der Wolfenbütteler Herzog-August-Bibliothek für den botanischen Bestand verantwortlich war und schon früh davon abriet, ausgerechnet in Konstanz eine Universität zu gründen. Der geistesverwandte Franzose J. Lafarce hat Feinhals eine feinsinnige Studie gewidmet.

All dies sind Kennzeichen einer reifen Wissenschaft. In der wissenschaftlichen Ausbildung aber nehmen wir den Spaß noch nicht ernst genug. Er darf nicht auf Festschriften beschränkt bleiben, er gehört bereits ins Proseminar. Warum sollten wir nicht auch denjenigen Studenten prämiieren, dem es gelingt, seinen Lehrer intelligent an der Nase herumzuführen? Besser als durch das übliche Abschreiben und Nachahmen ließe sich beispielsweise die Kenntnis eines bedeutenden Werkes durch einen gelungenen Pastiche nachweisen. Auch kann wertvolle Einsichten gewinnen, wer, an dieser Aufgabe scheiternd, feststellt, daß mancher Autor sich anscheinend stets selbst parodiert.

Wem Zweifel oder, besser gesagt, Zwiefel an diesem Vorschlag kommen, der lasse sich von einem Artikel überzeugen, den ebenfalls Mario von Cranach in seinem bereits erwähnten Beitrag zitiert: „Doubtful expressions as a result of electrical brain-stimulation in pugidae.“ Mit der Nennung seines Autors will ich für heute Abschied nehmen: L. Hasta-Lavysta.