Wie viele andere war der Dichter geflohen, damals, am Ende der Epoche, kurz vor den Schlachten. In Deutschland wurde mobil gemacht, das Elternhaus schwelgte in großbürgerlichen Träumen, der Sohn nahm Abschied. Dies konnte nicht seine Welt sein, diese war es nicht. Nach Paris, 1912! Friedrich Eisenlohr, geboren 1889 in Freiburg, veröffentlicht in Franz Pfemferts Aktion.

"Gare St. Lazare. / D-Züge schwirren, die wie schlanke Pfeile / in einem Herzen zuckend stecken bleiben. / Und Menschen quellen, die in wüster Eile / die heißen Leiber aneinanderreihen. / Ein blasses Mädchen geht verhetzt und still / mit einem Fremden weg, der es verführt. / Und Straßenbahnen singen hoch und schrill, / vom Schrei’n der Autobusse sekundiert. / Und rings drängt aus dem aufgewühlten Meer / der Straßen drohend sich die Stadt hervor / und glotzt wie ein in Stein gehau’nes Heer / von Sphinxen hungrig in die Nacht empor."

Ernst gemeint? Eine Parodie? Die Inbrunst des Expressionismus auf die Schippe genommen? Etwas schräg ist das schon, und so ganz ernst wollte er das Pathos einer ganzen Generation nicht nehmen, noch nicht.

Durch Vermittlung des Kollegen Ludwig Rubiner war Eisenlohr zur Aktion gekommen. Hatte, kurz zuvor, gemeinsam mit ihm und Livingstone Hahn, einen kleinen Spaß verfaßt, der 1913 bei Kurt Wolff veröffentlicht wurde: "Kriminal-Sonette". Ein Drei-Männer-Jux, heiter, deftig, auch zeitkritisch, parodistisch und sehr spöttisch, ja "revolutionäre Satire in Versen" womöglich, wie es in Eisenlohrs autobiographischem Roman heißt, "übertriebenste Aktualität in Sonetten".

Eisenlohrs Pariser Gedichte knüpften an diese Gemeinschaftsarbeit gewiß an; aber es fehlten zum einen die Strenge des Sonetts und der kontrastreiche Witz, zum anderen das Rebellieren gegen die Welt. Vom kommenden Grauen findet sich in diesen Pariser Versen beispielsweise nichts.