Unverbesserlich

Nicht immer sind Tiroler lustig. Schriftlich wollte der Bozener Stadtrat Roland Atz nicht dementieren, was er mündlich leugnete, während einer Sitzung gesagt zu haben: „Die Zigeuner gehören alle erschlagen und vergast.“ Seine Südtiroler Volkspartei (SVP) wollte, ihn deshalb von ihrer Kandidatenliste für die Kommunalwahlen im November streichen. Doch am vorigen Montag stellten sich bei geheimer Abstimmung im Parteivorstand 50 von 75 Mitgliedern hinter Atz. Entsetzt trat Parteichef Siegfried Brugger zurück. Und sein Vorgänger Silvio Magnago, der „große Alte“ der SVP. klagt bitter, daß Atz nicht einmal die „goldenen Brücken“ betreten habe, die man ihm mit dem Vorschlag eines schriftlichen Dementis gebaut habe.

Normal

Zwei Tage lang diskutierten kürzlich in Jerusalem Juden aus Israel und Amerika mit Juden und Nichtjuden aus Deutschland – darunter auch Ignatz Bubis – über ihr schwieriges Dreiecksverhältnis. In den Klausursitzungen ging es um Geschichte und Gegenwart, die Bedeutung des Gedenkens und die Gefahr des Vergessens. Als die Veranstalter, von deutscher Seite die Friedrich-Naumann-Stiftung, zur öffentlichen Podiumsdiskussion luden, war „Rassismus und Demokratie“ in den drei beteiligten Gesellschaften das Thema. Die Sorge der Deutschen, das israelische Publikum könnte eine solche Debatte über „Rassismus in Israel“ unter deutscher Beteiligung übelnehmen, erwies sich als unbegründet. Im Gegenteil: Als der liberale Knessetabgeordnete Avraham Poraz auf dem Podium nur über Deutschland sprach und von Israel schwieg, protestierten die Zuhörer im überfüllten Saal: „Reden Sie über Rassismus in Israel!“ Wovon gar nicht die Rede war, fiel gleichfalls auf: von Steffen Heitmann. Das ist wahre Normalität.

Teuer

Recht hatten sie, die „N-01ympics“-Matadoren im Berliner Tränenpalast an der Friedrichstraße, als sie die Wahl Sydneys zur Olympiastadt 2000 feierten. Berlin siegte dabei gleich doppelt. Erstens legte sich die Bundesregierung ins Zeug und verfügte, den Umzug nach Berlin im Jahr 2000 endlich abzuschließen. Zweitens mußten die vermeintlich siegreichen Australier mächtig schlucken, als Premierminister John Fahey die Kosten der gigantischen Sportparade präsentierte: Die ursprünglich auf 1,84 Milliarden Mark geschätzten Ausgaben explodierten auf 3,25 Milliarden Mark. Die teure Rechnung nach der Nacht des Jubels hat die Kritiker auf den Plan gerufen. Der Oppositionsführer des Bundesstaates New South Wales verlangt jetzt eine genaue Auflistung aller Kosten von der Regierung. Die Eintracht der Australier ist jedenfalls dahin. Wie hätte man sich wohl erst im immer noch geteilten Berlin gestritten?