Welcher Firmenleiter kann noch vor Greenpeace sicher sein? Vor einem Jahr machte die Hamburger Umweltschutzorganisation der Kühlschrankbranche die Hölle heiß, indem sie einem klimaverträglichen Gerät der ostdeutschen Firma Foron zum Durchbruch verhalf. Foron erhielt für die Innovation den ersten Preis der Deutschen Umweltstiftung sowie den Alternativen Marketingpreis – und die etablierte Kühlschrankbranche sah sich gezwungen, das technische Konzept nachzuahmen. Während der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt propagierte Greenpeace das 2,5-Liter-Auto – auch das ein Vorhaben, dem sich mittlerweile kein Autoproduzent mehr entziehen möchte.

In dieser Woche nahmen die Umweltschützer ein drittes Massenprodukt ins Visier: Gedrucktes. Eine Greenpeace-Abordnung erschien am Mittwoch vor den Verlagsgebäuden von Springer sowie Gruner + Jahr mit der Forderung nach der "kahlschlagfreien Zeitschrift". Weitere Aktionen sollen folgen. Die Magazine der Großverlage werden nach Greenpeace-Recherchen aus Zellstoff produziert, zu dessen Herstellung riesige Waldflächen gerodet werden. Dagegen will Greenpeace jetzt die Leser mobilisieren. Per Flugblatt und in Kinospots sollen sie aufgefordert werden, die Verlagshäuser zum Wandel zu bewegen: "Wieviel Wald kostet Ihre Zeitschrift? Fragen Sie Ihren Verlag." Greenpeace-Kampaigner Christoph Thies hofft auf die Kooperation der Medienkonzerne.

Es wäre nicht das erste Mal: Nachdem die Umweltschützer 1991 gegen die Chlorbleiche zu Felde gezogen waren, dauerte es nicht lange, bis die ersten großen Publikumszeitschriften wie Stern und Spiegel auf chlorfreiem Papier erschienen.

Erfolgreiche Innovationen können bisweilen zum Hemmschuh werden. Dies muß auch Heinrich Weiss erfahren. Der Vorstandsvorsitzende des Anlagenbauers SMS Schloemann-Siemag AG sorgt sich um ein Produkt, das gerade begonnen hat, die internationale Stahllandschaft zu verändern. Weiss fürchtet nämlich, daß die Anlagen des CSP-Verfahrens von seinen potentiellen Kunden nicht mehr geordert werden, weil sie ein gemeinsam von SMS und Thyssen entwickeltes Verfahren – CPR genannt – für besser halten.

In beiden Fällen geht es darum, die für die Herstellung von dünnen Blechen bisher unvermeidliche Warmbreitbandstraße durch das sogenannte Dünnbrammengießen zu ersetzen. Größter Vorteil: Das Verfahren ist schon bei einer Jahreskapazität von einer Million anstatt erst bei vier Millionen Tonnen rentabel, damit können auch Ministahlwerke in diesen Markt eindringen.

Zwar hat Weiss bisher noch keine CSP-Anlage (CSP steht für Compact Strip Production) in Deutschland verkauft, dennoch spricht er zu Recht davon, die CSP-Technologie habe "endgültig den Durchbruch im Markt erlangt". Aber ausgerechnet sein treuester Kunde, Nucor-Chairman F. Kenneth Iverson, hat ihn in Verlegenheit gebracht. Denn der Mann, der für das Nucor-Werk Crawfordsville im US-Bundesstaat Indiana die erste CSP-Anlage der Welt bestellte, lobte nun in einem Gespräch mit der Fachzeitschrift Iron Age das CPR-Verfahren (Casting, Pressing, Rolling) über den grünen Klee. Iverson sagt allerdings auch, daß er CPR in erster Linie für geeignet hält, Qualitäts- und Edelstahle herzustellen. So sieht es auch Weiss, der von parallelen Entwicklungslinien spricht.

Roms Industrieminister Paolo Savona schockte am vergangenen Wochenende die Öffentlichkeit mit der Aussicht darauf, daß bei den großen Privatisierungsaktionen der nächsten Monate in Italien auch die Mafia kräftig zugreifen könnte Die Verbrecherorganisationen hielten 1500 bis 2000 Milliarden Lire oder umgerechnet 1,5 bis 2 Milliarden Mark bereit, um dem Staat Aktien abzukaufen, schätzt Savona.