Von Willi Winkler

was die Zeitungen mir vorwerfen, ist unwahr, ich habe noch niemals bauchdeckenreflexe zur erhöhung der lichtwirkung meiner bildet verwendet.

Max Ernst Siebzehn Jahre lang, von 1922 bis 1939, kämpfte James Joyce mit Setzern, Redakteuren und vor allem mit kiebichten Zensur-Häuptlingen, die den "Ulysses" nicht etwa zu modern, sondern schlicht pornographisch fanden. Siebzehn Jahre lang beschmeichelte Joyce seine reiche "Dear Miss Weaver"; lobte Kritiker, die den "Ulysses" gelobt hatten; ließ sich seinerseits beschmeicheln und umhudeln von einem internationalen Hofstaat, dem zeitweilig auch Samuel Beckett angehören durfte; konferierte mit seinen Übersetzern; klagte über sein schwindendes Augenlicht; mußte sich zehnmal operieren lassen; führte eine wenig erfolgreiche Kampagne, um dem seiner Meinung nach vernachlässigten Tenor John Sullivan ein gehöriges Engagement zu verschaffen; erlebte, wie sein Vater starb und seine Tochter wahnsinnig wurde, sein Sohn heiratete und ihn zum Großvater machte; ehelichte selber, verdrossen und pflichtschuldig, die treue Nora, 27 Jahre nach dem ersten Rendezvous. Siebzehn Jahre lang schickte er Petitionen, Mahnungen, Korrekturen und Glückwunschtelegramme, 1926 z.B., als wieder nicht er, sondern George Bernard Shaw den Nobelpreis erhielt, immerhin "ein würdiger Landsmann".

Siebzehn Jahre der Mühsal und der Plagen schrieb Joyce an "Finnegans Wake". Als die treue Sylvia Beach die ersten Proben des kommenden Buchs verkosten durfte, dessen Titel der Autor vorderhand nur seiner lieben Nora verriet, schrieb sie ihm ratlos und, wo sonst? auf den Knien ihres Herzens: "Sie vergeuden offenbar Ihr Genie" und konnte immerhin die ebenso treuen Freunde Eliot & Pound als Zeugen benennen. Hohepriesterlich retournierte Joyce den zagen Zweifel, na wenn schon, und gut "möglich, daß Pound recht hat, aber ich kann nicht mehr zurück". Und zweifelte doch an sich und seiner Arbeitskraft und dem als "Work in Progress" verkappten Über-"Ulysses", da er, Beweisstück No. 1), die beflissene Jüngerschaft dienstverpflichtete, ein sonderlich byzantinisches Werklein zum Preise des längst nicht geschriebenen Groß-Werks zu verfassen, "Our Exagmination round his Factification for Incamination of Work in Progress" (und wieder, es läßt sich nicht verschweigen, tat Samuel Beckett mit); und weil er, Euer Ehren wollen Beweisstück No. 2) in Augenschein nehmen, im Juli 1929 dem Dubliner Proselyten James Stephens allen Ernstes antrug, er solle das in Arbeit befindliche WERK vollenden. Es ging nicht mehr.

Und mußte doch.

Im Sommer 1938, zwischen dem Einmarsch der Deutschen in Österreich und dem in Böhmen und Mähren, war der Sprach-Rausch fertig, am 4. Mai 1939 erschien "Finnegans Wake" dann, die Narrenkrone seines Schaffens, oder, wie Arno Schmidt meinte, der sich drunten besonders gut auskannte, "ein einziger größer Unterleibswitz".

Nur eben leider nicht nur einer, wenn die Philologen recht haben sollen, sondern gleich eine Million Tricks, Haken, Finessen, Scherze, Anspielungen warten auf den berufsmäßigen Enträtsler. Nicht erst mit seinem letzten Buch ist Joyce unter die akademischen Briefmarkensammler gefallen, die ihre schönsten Motive vergleichen, Sonderdrucke und -Stempel tauschen und ihre kostbaren Erstausgaben hoch- und heilighalten.

Im Mittelalter, als die Zeit gar manchem lang wurde im Warten auf die Ewigkeit, hielt man sich gern bei so Grundsätzlichem auf wie der Frage Wieviel Engel wohl auf einer kleinen, feinen Nadelspitze tanzen können? (Waren’s sechzehn oder gleich einundzwanzig? Und wie, wenn einer nicht tanzen konnte, wenn er nur hinkte zu den himmlischen Cymbal- und Schalmeienklängen?)

Ähnlich grundsätzlich, genauso überflüssig arbeitet die beamtete Joyce-Industrie, wenn sie auf ihren Tagungen in Dublin, Triest, Zürich oder New York (wohin Joyce zwar nie kam, wo aber wenigstens der "Ulysses" verboten war) sich über U (wie in "Ulysses") und FW (gleich "Finnegans Wake") beugt oder, deutsche Sektion, für ZT (oder "Zettels Traum") ihre feinen, kleinen Fundstücke präsentiert.

Dabei ist "Finnegans Wake", nach übereinstimmender Lehrmeinung das schwierigste Werk der Weltliteratur, ein ziemlich einfaches Buch. Der Titel gilt dem Ziegelträger Tim Finnegan aus einer irischen Ballade, den der Whiskey von den Toten zurückholte. Seine zerdehnte Totenwache (wake) liefert den Rahmen oder vielmehr das Sammelbecken für das, was über den Kneipenwirt Humphrey Chimpden Earwicker, seine Frau Anna Livia Plurabelle, die Söhne Shaun und Shem, die Tochter Isabel erzählt, nein: geträumt, gelallt, phantasiert, geflunkert, bramarbasiert wird. Sie bilden die Ur-Familie, mit ihnen fängt die Menschheitsgeschichte bei Adam & Eva und Kain & Abel noch mal an.

Es geht, wie es an bekannter Stelle heißt, über Menschenwitz zu sagen, was da alles zusammenschwadroniert wird; Joyce versucht es gleichwohl. Die Gedanken sind frei, erst recht die Träume in diesem Nachtgesang.

Was für ein gewaltiger Boreas erhob sich (wie der Marschall von der Keithstraße formulieren würde), welch unbeschreiblicher Jubel erscholl 1976, als Hans Wollschläger seine Übersetzung des "Ulysses" fertig hatte! Zwar gab es bereits eine von Georg Goyert, 1927 erschienen und von Joyce höchstpersönlich redigiert, aber die galt plötzlich nichts mehr. Mit Arno Schmidt als Pate war Wollschläger bestens eingeführt; außerdem verstand man sich bei Suhrkamp auf die rechte Propaganda. Wollschläger erhielt für seine Leistung den Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. (Daß sich inzwischen beträchtliches Murren gegen des Meisterschülers Version erhebt, wollen wir für heute fromm verschweigen.)

Klüglich hatte man bei der sog. Frankfurter Ausgabe der Werke von James Joyce "Finnegans Wake" als unübersetzbar ausgespart. Versuche gab es, ja, Kostproben, den einen oder anderen Aperitif. Klaus Reichert und Fritz Senn haben in einem Band der edition suhrkamp verschiedene dieser "Annäherungen" versammelt und zum Vergleich freigegeben. Schon Georg Goyert hatte sich, wieder unter den Augen des Groß-Meisters, am 8. Kapitel, an "Anna Livia Plurabelle", versucht, der, wie Joyce stolz einen Verehrer zitierte, "bedeutendsten Prosa, die ein Mensch je geschrieben hat". Arno Schmidt, Wolfgang Hildesheimer, Hans Wollschläger und Friedhelm Rathjen lieferten weitere Proben ab, und, siehe da, auch ein gewisser Dieter H. Stündel ist in dieser Blütenlese vertreten.

Und dieser Stündel hat jetzt das Sakrileg begangen, genau dieses unübersetzbare Werk zu übersetzen, und zwar ohne Suhrkamp, ohne Haffmans, ohne Reemtsma, ohne wie immer geartete Stiftungen zur Förderung abstrusen Gedankenguts, vollständig und ganz und gar allein und auf eigene Rechnung. Einfach so. Dafür scharrt man bei Suhrkamp auch schon hörbar mit den Füßen und wähnt sich im Urheber-Recht: Darf der das, unsern Joyce übersetzen? Und überhaupt

wer ist das überhaupt?

Dieter H. Stündel scheint ausgestoßen worden zu sein aus dem Club der commystis, die ihre Séancen um die Schriftrollen von großen toten Männern abhalten. Sonst nämlich wäre seine herkulische Tat mit mehr Begeisterung aufgenommen worden. Und doch muß er einst zur Gemeinde gehört haben: 1974 war er noch eindeutig ein Gefirmter, veröffentlichte ein beifällig aufgenommenes Register zu Arno Schmidts "Zettels Traum". Anschließend machte er sich an ein Lieblingswerk des Heide-Kätners, an "Sylvie & Bruno", Lewis Carrolls 1889 bis 1893 erschienenen "phantastischen Nonsens-Roman" (1986 in 2 Bänden für 24,80 Mark als Goldmann-Taschenbuch herausgekommen und bestimmt nicht mehr lieferbar), aber schon von dieser Übersetzung hörte man nichts.

Lewis Carroll behauptet in seinem Vorwort sinnreich, es sei wohl die "schwerste Aufgabe in der Literatur überhaupt, etwas Originelles zu schreiben"; da ist weiter, und schon näher an Joyce, von "Flickwerk" die Rede, "was jeder schreiben und keiner lesen kann"; und da findet sich schließlich ein Problem formuliert, das eben jenes sein dürfte, über dem Joyce bei seinem "Work in Progress" schier verzweifelte: "Und so begab es sich, daß ich mich schließlich im Besitz einer riesigen, undurchsichtigen Lütteraturmasse befand – wenn der Leser freundlicherweise diese Schreibweise entschuldigen möge die nur an den Faden einer fortlaufenden Geschichte geknüpft zu werden brauchte, um das Buch zu konstituieren, das ich zu schreiben hoffte."

Joyce, so sieht es jedenfalls dieser Leser freundlicherweise, hatte nach den Erzählungen über die "Dubliner", nach dem leider nur sprichwörtlich geläufigen "Bildnis des Künstlers als junger Mann", selbst nach dem Labyrinth des "Ulysses", kein gewaltiges Interesse mehr an einer Fabel. Odysseus mutierte vom Jäger zum Sammler, belud in jedem Hafen neu sein Schiff mit Fundstücken, erbeuteten Preziosen, mit Raritäten und Banalitäten. Ohne Vorwand frönte er ausschließlich seiner Lust am Wortspiel, am Kalauer, am kindischen Zausein der Sprache(n).

(Und nicht mal da sind sich die Gescheitmeier einig: Wie viele Sprachen sind es eigentlich, die Joyce in seinem "Nachtbuch" verwendet?

40, sagt Rathjen,

45, Karrer/Kreutzer,

60, Drews,

65, Erzgräber.

Dürfns paar mehr sein?)

Die bedauernswerten französischen Setzer malträtierte Joyce mit russischen, isländischen, altgriechischen oder esperantistischen Wortstämmen, dazu seiner gesammelten humanistischen Bildung, denn, logisch, "Finnegans Wake" ist nach dem Schema der "Scienza Nuova" des italienischen Philosophen Giambattista Vico aufgebaut, ohne Hinweis auf die germanische bzw. griechische Mythologie vergeht fast keine der 628 Seiten; und da und dort wird ein schöner Vers aus Dantes "Inferno" eingeflochten oder eine Zeile aus einer Verdi-Oper, nicht gerechnet die vielen Anspielungen für Förderer und Feinde, wie ja Arno Schmidt sowieso der Meinung war, "Finnegans Wake" sei eine gigantische Abrechnung mit Joyce’ Bruder Stanislaus, woraufhin er, Schmidt, sich erbötig nachte, das Buch nach dieser frisch bei Sigmund Freud abgezapften, mindestens kühnen Hypothese ins Deutsche zu übertragen, eine Hypothese, von der Klaus Reichert höflich sagt, sie sei "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Weg, der nach Rom führte".

Im Dezember 1960 bot Schmidt diese Neuinterpretation in der ZEIT an, machte sich auch anheischig, den ganzen "Finnegan" im (die Angaben schwanken wie üblich) Zeitraum von zwei Jahren für "den Lohn einer Putzfrau", nämlich für 36 000 Mark, zu übersetzen. Das Projekt zerschlug sich, Schmidt konnte auch keinen Verlag dafür begeistern und wandte sich schließlich seinem eigenen Nachtbuch zu, das im Jahr des Heils 1970 die Gestalt von "Zettels Traum" annahm.

Stündel also. Ohne Begleitband, ohne Leseanleitung, mit gerade einer neunzeiligen Notiz auf der Impressumseite ausgewiesen, ist jetzt im Darmstädter Verlag Jürgen Häusser zum königlichen Preis von 840 Mark und im handelsüblichen ZT-Format "Finnegans Wehg" erschienen, Ergebnis einer, merkt ihr’s auch? siebzehnjährigen Fron am Text.

Dem Vernehmen nach ist Stündel heute beim Fernsehen beschäftigt, vielleicht hat er deshalb Joyce eher begriffen als seine Zeloten, denn er scheut nie den Gang nach Mainz, wie es singt und lacht.

Wie beim großen Vorbild ZT ist der Gebrauch eines Lesepults angezeigt. Wie bei Schmidt eine Synopse: links das Original mit Erläuterungen, rechts die Übertragung. Aber nur 35 Seiten lang hat Stündel die Manier des Bargfelder Meisters durchgehalten und sämtliche lexikalischen Fundstücke aufgeführt; danach muß ihm der Leser schon selber auf die Schliche kommen. Das Format drängt dazu, das Buch als Bibelorakel zu nutzen. Beispiele also:

"Fiatfuit! Hereinunder lyethey. Llarge by the smal an’ everynight life olso th’estrange, babylone the greatgrandhotelled with tit tit tittlehose, alp on earwig, drukn on ild, likeas equal to anequal in this sound seemetery which iz leebez luv."

Stündel, des Lateinischen nicht achtend, brummt drauflos: "Esmöggesain! Hier im Unterren laugensie. Grohoß in demm Klainen un jeddenackt Lehben ehbenso der Frehemde Babylohne das GroßGrandHottell mit Titt Titt TittenHaus, Alp auf Öhrfick, trunken am Feuer, lieh Chöre gleich den Unnglaichenin diesen Klang Klirch-Hoff, whaß Lieh Biß Lieh B ißt" und brummt und klingklangt nicht schlecht.

Es geht nur leider nicht immer so gut ab. Stündel ist schon deshalb der getreueste (und einzige) Schmidt verbliebene Schüler, weil er keine Gelegenheit zur Inversion, zum Schleifer, zum tieferen Blödsinn sausen läßt. Mordsmäßig stolz war er doch, der Herr Schmidt, auf seine obskure Karl-May-Studie "Sitara", auf Ver-Schreibungen wie "Po-Ethik" (statt Poetik) und "Nie-Wo" (für Niveau).

Aus Schlamperei oder Meßdienerhaftigkeit verbaut sich Stündel häufig, schreibt Namen und Buchtitel falsch, verdeutscht ohne Not fast jeden fremdsprachigen Ausdruck (der auch den gewöhnlichen englischen Leser fremd anmuten sollte) gleich mit ins Deutsche oder kettet sich ohne sichtbaren Gewinn an die englische Satzstellung: "One temp when he foiled to be killed, the freak wanted to get his bilingual head..." heißt bei ihm, erschreckend plump: "Zu einer Zeit, als er verfehlte, getötet zu werden, wie der Freak wollte..." Das hieße, wenn man die Garnierung mit dem französischen temp denn außer acht lassen will, schlicht: "Als er einmal seine Ermordung vereitelte, wollte der Kerl seinen bilingualen Kopf..."

Auch am heiligsten Stück von FW probiert Stündel seinen (oder den Schmidtschen) klabauternden Entlarvungseifer aus, an "Anna Livia Plurabelle":

"O

tell me all about

Anna Livia! I want to hear all

about Anna Livia. Well, you know Anna Livia?

Yes, of course, we all know Anna Livia. Teil me

all. Teil me now. You’ll die when you hear. Well,

you know, when the old cheb went futt and did

what you know."

Was bei Stündel, weil vom ersten Wort der To-

tenwache an ("riverrun") das Wasser ein Haupt-

thema des Buches ist, so beginnt:

"Eau

Sag mir alles über

Anna Livia! Ich will alles über

Anna Livia wissen. Also, kennt ihr Anna Livia? Ja freilich, wir alle kennen Anna Livia. Sag mir alles. Sag’s mir jetzt. Du stirbst vor Lachen, wenn du’s hörst. Also, du weißt doch noch, als der alte KNaabbe fotzging und das tat, was du weißt."

Das "ja freilich" klingt nicht sehr elegant, aber daß der alte Knabe "fotzging", ist eine kleine Schweinerei, auf die auch der Alterserotiker Schmidt stolz gewesen wäre. (Goyert schlägt "hopps ging" vor, Hildesheimer "fehltrat", Wollschläger "futtsch ging".)

Der aufrechte Friedhelm Rathjen hat in nun schon drei Aufsätzen (im Merkur, im Schreibheft und in konkret) Stündel zum immer größeren Feind aufgeblasen. Sein "Finnegans Wehg" sei "einer der dümmsten Schildbürgerstreiche der Übersetzungsgeschichte". Der Superlativ muß gleichmal bestritten werden: Als Hölderlins Übertragung der Sophokleischen "Antigone" erschien und verlesen wurde, soll die Schlegel-Sippschaft vor Lachen vom Hocker gepurzelt sein. Ein einziges gutes Haar läßt Rathjen an Stündel, die Vollständigkeit oder, wie er es formuliert, die "quantitative Komplexität". Aber was sei das schon, "wer genauer hinschaut, den packt das kalte Grausen".

Wirklich?

Es fehlte Stündel allerdings ein Freund, ein guter Freund, der ihn kontrolliert hätte, der ihm da und dort den Frohsinn gestutzt und die Übersetzung auf die Grammatik und den Wortsinn zurückgeführt hätte, ein (Achtung, Zumutung!) Pedant.

James Joyce war einer.

Ein Pedant, der alles grade sein lassen konnte. Wenn es besser klang im Italienischen oder Französischen, dann pfiff er auf Sinn und Verstand.

Stündels einsame "ÜbelSätzZung" erinnert an heroische Zeiten, als der Dichter sich noch um sein Leben schrieb, als es noch idealistisch in der Literatur zugehen durfte und pubertär (und nicht bloß germanistisch). Dieser Übersetzer mit seinem knabenhaften Humor hat Joyce in seinem Feuchtbiotop belassen, im Pub. Vielleicht wäre deshalb der rechte Modus für "Finnegans Wehg" eine Aufführung auf dem nächsten Oktoberfest.

Wenn die Kellnerin einem jeden seine Maß gebracht hat, wenn der trachtenbehütete Dirigent eine Fermate und dann dem Pöbel drunten in der Schwemme Schweigen geboten hat –

in dieser zitternden Sekunde –

wenn Totenstille eintritt –

müßte Herr Stündel (ohne Räuspern, ohne weiteren Auftakt) mit der Verlesung seines großen Gesangs anheben:

"... Flußflaufs, vorbei an Adam und Eva, von KüstenKurven zur BruchtBiegung, führt uns durch einen kommodien Ouikuß der Rezierkuhlation zurück nach Haus Castell und Emccebung..."

– und immer weiter hineinsprechen ins wieder aufbrandende Gebrüll der Massen, denn "Finnegans Wake" ist alles andere als ein heiliger, vielmehr ein sehr irdischer Text, Kneipenhumor, also nicht zu verachten.

Als er FW so gut wie fertig hatte, am 30. Mai 1938, schrieb James Joyce dem dänischen Bankier Ferdinand Prior: "Men Fanden alene ved hvis De vilde kunne forstä hvad Fortaellingen mener eller overhovedet hvad betyder dette hele Ordspindelvaev!" (Weiß der Teufel, ob Sie verstehen können, was die Geschichte bedeutet oder worum es in diesem ganzen Wortspinnwebwerk überhaupt geht.)

Wer weiß?

Will’s wer wissen?

  • Finnegans Wehg.

Kainnäh ÜbelSätzZung des Wehrkeß fun Schämes Scheuß von Dieter H. Stündel; Verlag Jürgen Häusser, Darmstadt 1993; 1258 S., 840,– DM