Fünfzehn Monate nach den Pogromen von Lichtenhagen ist Rostocks Oberbürgermeister Klaus Kilimann zurückgetreten. Sind nun endlich die politischen Konsequenzen gezogen worden? Dieser Rücktritt versöhnt nicht, denn er war ein Zurückgetretenwerden.

Im Oktober urteilte der Untersuchungsausschuß der Bürgerschaft: Kilimann „ist seiner politischen und moralischen Verantwortung nicht gerecht geworden“. Der Oberbürgermeister versuchte noch, den Bericht zu diskreditieren. Ein Parteifreund mußte für ihn schließlich sein Bedauern über die Pogromnacht ausdrücken.

Der SPD mißlang es, den Bericht und die Wahrheit zu unterdrücken, zu korrigieren. Doch die Angst, mit Kilimann die Wahlen zu verlieren, entschied. Wer nachweislich versagt, nützt schließlich auch als Sündenbock. So erleichterte sein Abgang andern das Weitermachen. Befragt, warum er an jenem Abend, an dem dann das Heim der Vietnamesen brannte, wieder in den Urlaub fuhr, sagte Kilimann: „Ich habe die Sache einfach im Kopf abgetan.“ Nun können der Rostocker Innensenator und die Bürgerschaft die „Sache“ Lichtenhagen überhaupt im Kopfe abtun. KH