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DIE ZEIT

Extreme Mitte

Auch im Schrott lassen sich manchmal Ersatzteile finden. Fast scheint es, als sei dies die wesentliche Erkenntnis aus der italienischen Kommunalwahl für das reparaturbedürftige System des Landes – wichtiger noch als der Verlust der Mitte oder der Durchbruch der Linken und Rechten in das Vakuum.

Lebensecht

Was werden sich die Moralisten und Betroffenheitsfanatiker wieder empören. Jedenfalls wenn sie erst jetzt erfahren, was sich jeder Realist schon lange denken konnte, daß nämlich das Gerichtsmedizinische Institut der Universität Heidelberg seit Mitte der siebziger Jahre schlappe 200 Leichen, darunter allenfalls acht von Kindern, für Autounfalltests eingesetzt hat.

Balkanisch

Der Adventsbasar ist eröffnet: bosnisches Land gegen Aussetzung der Sanktionen. Die Europäische Union nimmt Anlauf zu einer neuen Friedenskonferenz über den Balkankrieg.

Worte der Woche

"Ich bin bestimmt ein überzeugter Sozialdemokrat, aber ich bin nicht im Parteiapparat aufgewachsen und hatte daher zuwenig Kenntnis von den innerparteilichen Hierarchien, Fraktionen, Flügeln und Gruppierungen.

Zeitspiegel

War es Scherz oder traurige Selbstironie? Zum ersten Mal nach seinem Sturz vom Podium und der Operation seines Schultergelenks wandte sich Johannes Paul II.

Sie passen sich an

"Ob König, Kaiser, Sekretär, wir rennen jedem hinterher, der uns verspricht, daß es uns besser geht." – "Auch wenn das Land längst anders heißt, blüht Preußens Untertanengeist.

Bill Cilnton im Aufwind: Pluspunkte

Drei Tage vor Thanksgiving und der dicksten Reisewelle des Jahres zog Bill Clinton die Manager von American Airlines und das Flugbegleitpersonal aus dem Streit-Patt wieder an den Verhandlungstisch.

Ben Witter: Angetippt

Wolfgang D. Schneider, höherer Angestellter im Vorruhestand, weit gereist und Witwer, will für den Rest seines Lebens nur zwei Wochen im Monat Deutscher sein, die anderen vierzehn Tage ist er versuchsweise Engländer oder Franzose.

Zwei umstrittene Kandidaturen und ein Rat an Herta Däubler-Gmelin wie Steffen Heitmann: Endstation, bitte aussteigen

TÜBINGEN. – Nur nicht kneifen, lautet das wichtigste Gebot, wenn es um hohe Ämter in der Bundesrepublik Deutschland geht. Selten sind sich die Politiker über Parteigrenzen hinweg so einig wie bei der Beherzigung der aus Worms überlieferten Worte: "Hier stehe ich! Ich kann nicht anders!" Leider gilt dies auch für jene herausgehobenen Positionen, bei denen die Bewerber über jeden Streit erhaben sein sollten.

Bonner Bühne: Vorsicht, tolles Buch

Parteifreunde, gesteht Gerhard Schröder, hätten ihm dringend abgeraten, das Buch vorzustellen. Vorsicht, Fallen! Überall Fettnäpfchen! Aber wie er so ist, der Hannoveraner, gerade das muß ihn besonders gereizt haben.

Wie viele Programme erträgt 1 Mensch?

Am Anfang ist alles ganz locker. Keine Stechuhr fordert an der Pforte zum Bürohaus Aachener Straße 1036 in Köln die Arbeit im Stundentakt.

Der gläserne Zuschauer

3960 Haushalte entscheiden mit ihren Fernbedienungen darüber, wie 1993 der Werbekuchen von sechs Milliarden Mark unter den Fernsehanbietern aufgeteilt wird, ob Thomas Gottschalk seine Show behalten darf oder Wolfgang Lippert seinen Posten bei "Wetten, daß .

KLAUS HARTUNG: Unvergleichbares aus Italien

BERLIN. – Warnende Beispiele haben gewöhnlich eine beruhigende Wirkung. Bei dem Versuch, den Schock der italienischen Kommunalwahlen auf deutsche Verhältnisse zu übersetzen, gelangen den deutschen Kommentatoren nur Visionen aus Absurdistan.

Ein ehemaliger WDR-Journalist über seine Stasi-Akte: Im Reich der Akribie

BERLIN. – Seine Stasi-Akte einzusehen macht, wie man weiß, den einen betroffen, andere verdutzt und nicht wenige zornig. Einerseits werden da die sogenannten IM, die andere, Nachbarn, Freunde und in einigen Fällen sogar den Ehepartner ausspionierten, ertappt, bloßgestellt – andererseits ist das, was da in der Akte vermerkt ist, für viele, wenn sie es lesen, komisch bis absurd und schon gar nicht seriös.

Die stille Sehnsucht nach Einheit

Ich frage als Ostdeutscher sehr direkt: Hat sich Westdeutschland vielleicht ein wenig bedroht gefühlt durch das angeblich sozialdemokratische und protestantische Ostdeutschland, das zunächst mit frischem Selbstbewußtsein auftrat und die Bundesrepublik zu verändern drohte, ohne die später an uns gerichtete Frage direkt zu stellen.

Faxfänger

DÜSSELDORF. – Der Kreisverband Heinsberg des Naturschutzbundes Deutschland hatte im Sommer ein dringendes Anliegen: Die vorgesehene Änderung des Landesentwicklungsplans habe gravierende Auswirkungen auf den Naturschutzpark Maas-Schwalm-Nette.

Der Dieb erschien im Arztgewand

SCHWERTE. – Der "Oberarzt" machte einen netten Eindruck. Kundig begutachtete er die Wunden der Patienten im Marienkrankenhaus der nordrhein-westfälischen Gemeinde, nahm Anteil an ihren Leiden und verhieß ihnen baldige Genesung.

Daimler-Benz: Edzard Reuter steuert den größten deutschen Industriekonzern in die falsche Richtung: Total verfahren

Das war bei Daimler-Benz noch niemals vorgekommen. Der Aufsichtsrat unter dem Vorsitz des Deutsche-Bank-Chefs Hilmar Kopper fand im April dieses Jahres den Fünf jahresplan des Konzerns so wenig überzeugend, daß er und seine Kontrolleurskollegen das umfangreiche Zahlenwerk kurzerhand kassierten und den Daimler-Benz-Vorstandsvorsitzenden Edzard Reuter zum Nachsitzen aufforderten.

Bill Clinton und Nafta: Neue Sichtweise

Am Ende fiel der Sieg deutlicher aus, als selbst die kühnsten Optimisten im Weißen Haus erwartet hatten. 234 Abgeordnete, 16 mehr als nötig, stimmten in der vergangenen Woche in Washington für das nordamerikanische Freihandelsabkommen und gaben damit grünes Licht für den größten gemeinsamen Markt der Welt.

Die Postreform geht nun in die letzte Runde: Mängel im Modell

Postminister Wolfgang Bötsch wußte, um was es ging. Er verabschiedete sich von seinem Kabinettschef Helmut Kohl in China vorzeitig, um dabeisein zu können, als sich am Freitag vergangener Woche die zuständigen Minister und Senatoren der Bundesländer trafen.

Weihnachten: Initiativ

In Kinderaugen strahlt manchmal das Wunder noch nach, wenn es heißt: "... es roch so nach Äpfeln und Nüssen." Den Stadtvätern im niederländischen Assen stank der ganze Rummel dagegen gewaltig: Sie erklärten den Weihnachtsmann zur Persona non grata und jeden Hinweis auf das bevorstehende Fest als unerwünscht – bis zum 6.

Bonner Kulisse

Bricht in der Bundestagsfraktion der CDU/CSU die Auseinandersetzung über die Spargesetze wieder auf? Bei der Verabschiedung im Bundestag Mitte Oktober hatten sechzig Abgeordnete der Union – vor allem Ostdeutsche, aber auch Wessis wie Julius Louven und Stefan Schwartz – zu Protokoll gegeben, sie stimmten dem Sparpaket nur zu, weil sie im Laufe der Beratungen im Bundesrat noch Veränderungen "zur besseren Sozialverträglichkeit" erwarten.

Negativsteuer: Positiv

Karriere einer Idee: Einst erfand der Wirtschaftsprofessor Milton Friedman im Rahmen seiner Sozialstaatskritik die "Negativsteuer".

Bundeshaushalt: Relativ

Finanzminister Theo Waigel ist ein Berufspolitiker, der noch Bodenhaftung hat. Immer wieder beweist er, daß die hohe Politik und die vielen Zahlen, mit denen er es zu tun hat, ihm nicht den gesunden Menschenverstand rauben.

Schweinepest: Die Zeche zahlen die Verbraucher: Wahnsinns fette Beute

Eigentlich gehört der Skandal längst zum Alltag der europäischen Agrarpolitik. Jahr für Jahr werden mehr als eine Million Tonnen Obst und Gemüse vernichtet, werden mehr als zwanzig Millionen Hektoliter Wein denaturiert, werden immer größere Mengen Milch in die Futtertröge geleitet, alles auf Kosten der Verbraucher und der Steuerzahler.

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