Von Klaus Wittmann

Journalisten sind in den vergangenen Monaten der am wenigsten gern gesehene Menschenschlag auf der Chefetage des Fleischkonzerns Alexander Moksel AG in Buchloe. Viel zu selten sind sie bereit, die Verdienste des Firmengründers und großen Gönners der Stadt zu würdigen.

Dabei hat der 75jährige Alexander Moksel, der sich vom Schlachter zum Lenker eines weltweit agierenden Fleischkonzerns hochgearbeitet hat, doch serienweise Gutes getan. Sein Unternehmen füllt nicht nur den Steuersäckel der knapp 10 000 Einwohner zählenden Kleinstadt im Allgäu zu 75 Prozent; auch einen Kindergarten für 3,5 Millionen Mark hat Moksel gespendet. Pferdeliebhaber Moksel baute einen der besten Reitställe Deutschlands auf; nicht nur Olympiasieger reiten für ihn, auch die Nachwuchsförderung wird groß geschrieben. Und selbstverständlich bekommen auch Sport- und Musikvereine immer wieder etwas ab vom warmen Geldregen aus dem Fleischgeschäft.

Die Dankbarkeit in der Bevölkerung schien keine Grenzen zu kennen. Das Stadion und eine Straße wurden nach dem großherzigen Spender benannt. Der Kindergarten trägt den Vornamen seiner Frau. Und auch als die Kritik an seinen Geschäften immer lauter wurde, hielten seine schwäbischen Mitbürger zu ihm. Im Juni dieses Jahres unterzeichneten 45 Buchloer Vereine und Organisationen eine Solidaritätsbekundung für ihren Ehrenbürger Alexander Moksel. "Die seit Wochen von bestimmten Medien gegen ihn geführte Kampagne ist ehrverletzend und steht im krassen Widerspruch zu rechtsstaatlichem Verhalten. Die Buchloer Vereine wissen – wie kaum ein anderer – um das kulturelle, soziale und wohltäterische Engagement des Herrn Alexander Moksel", heißt es in der Erklärung.

Dennoch hörten die Journalisten nicht auf zu bohren, denn Moksel gibt nicht nur. Er nehme auch – mit raffinierten Tricks und unter Umgehung gesetzlicher Regelungen, wie seine Gegner behaupten. Seit Jahren ist der Fleischgigant in den Schlagzeilen, unter anderem weil die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Subventionsbetruges ermittelt. Früh schon – in den fünfziger Jahren – ist Alexander Moksel in das gewinnträchtige Fleischgeschäft mit der DDR eingestiegen, und früh schon hatte er beste Kontakte zu Alexander Schalck-Golodkowski, jenem gewichtigen Ex-DDR-Außenwirtschaftsexperten und Ex-Stasi-Oberst, der gleich mehrere parlamentarische Untersuchungsausschüsse beschäftigt.

Vor einem dieser Ausschüsse, dem des bayerischen Landtags, mußte auch Alexander Moksel aussagen. Doch anstatt Erklärungen zu den ihm vorgeworfenen Verstößen abzugeben – beispielsweise der Führung eines millionenschweren Schweizer Provisionskontos unter dem Decknamen Sylvia (Kontonummer 651) oder den 159 Devisenvergehen im innerdeutschen Handel – erklärte er insgesamt 35mal: "Ich verweigere die Aussage."

Alexander Moksel sagte auch kein Wort zu dem angeblichen Subventionsbetrug in Höhe von 240 Millionen Mark, bei dem als DDR-Fleisch deklarierte Ware in die Sowjetunion exportiert und EG-Gelder zu Unrecht eingeheimst worden sein sollen, verärgert viele Mitglieder im bayerischen Schalck-Ausschuß. Die Augsburger Staatsanwaltschaft zeigte sich durch einen Erlaß des Bonner Finanzministers so beeindruckt, daß sie das Ermittlungsverfahren wegen Subventionsbetrug vorübergehend einstellte. "Es gibt so was wie ein allmächtiges Schutzschild, eine Kette von Nothelfern, die immer dann auftreten, wenn der Untersuchungsausschuß Licht ins Dunkel bringen will", ärgert sich das Ausschußmitglied Manfred Fleischer, Fraktionsvorsitzender der Grünen im bayerischen Landtag.