Wörter, die mir zu diesen ungewöhnlichen Platten in den Sinn kamen: originell, komisch, hintertrieben, kunstvoll. Sie bereiten ein großes, auch ein intellektuelles Vergnügen, anderthalb Stunden lang. Hauptpersonen sind zwei Frauen, welche singen (und rezitieren), komponieren, arrangieren.

Die eine CD präsentiert Dagmar Aigner. Sie singt einschmeichelnd, schreibt Liedertexte, setzt sie in Musik (sofern sie nicht Lehár, Tom Lehrer, Gershwin oder Bizet bemüht) und arrangiert sie auch, wobei ihr ein(e) M. Armann zur Hand geht, auch ein Mr. S. & K., was bei dem technischen Aufwand (der aber ganz unaufdringlich die Wirkung steigert) dienlich war. "Also", hört man zu Beginn eine irgendwo aufgeklaubte Männerstimme sagen, "jetzt leg di mal in der G’fühl nei, G’fühl" (pling-pling), "also: eins, zwei, drei", und los geht’s mit einem bösen Volkslied vom Buam, der sei’ Deanderl mit seinem Knäblein sitzenläßt.

So geht’s fort: im Volkston, jedoch in befremdlichen Farben und mit gespenstischen Geschichten ("Du darfst mich wohl verstümmeln auch"), mit Dramoletts ("Geliebter, ich muß dich tilgen"), Persiflagen (auf Soldaten, Bizet, Lehár), mit Sehnsuchtsliedern, auch einem "Masochistentango". Es wird hinterlistig schön gesungen, alles ist eigenwillig instrumentiert (Trompete, Saxophon, Baß und Keyboards, Akkordeon und Schlagzeug) und mit kleinen elektronischen Tricks inszeniert. Es packt einen.

Und das gelingt auch Gabriele Hasler. Ah, die Jazzsängerin? Gewiß, nur tut sie hier ganz etwas anderes. Sie hat sich mit einer Pianistin (Elvira Plenar) und einem (E-)Gitarristen (Andreas Willers) zusammengetan, hat dreizehn Gedichte aus Oskar Pastiors "Sonetburger" genommen und sie singend, sprechend, ja spielend in Musik verwandelt, mehr: hat sie lebendig gemacht, jedes auf eigene, eine geistreiche und sehr ausdrucksvolle Weise. Die Musik erinnert sich hier und da an die frühe Mehrstimmigkeit und an den Jazz, an Eisler, Berio, auch an Pärt, aber sie ist immer, unverwechselbar, Haslersche Musik auf Pastiorsche Gedichte.

So entstanden lauter kleine Darstellungskunstwerke der wundersamsten, schnurrigsten, absurdesten, effektvollsten Art – und manchmal von berückender Schönheit. Es singt, schweigt, stottert, schwärmt, swingt – und denkt. Aus Silbenklanggedichten werden Wörtermusiken, sogar kleine theatralische Miniaturen. Das schönste? Zum Beispiel "blunduffel-hendelechs". Man erwartet atemlos, wie’s ausgeht. Es ist wunderbar.

Manfred Sack

  • Dagmar Aigner,