Es waren nicht die Bretter, die ihm die Welt bedeuteten, es war vielmehr das Brettl, vor allem das, das andere vorm Kopf hatten. Der Tischler Valentin Ludwig Fey, später Karl Valentin, riß es erbarmungslos runter, um es auf seine Weise - neu zu verleimen. Der Herr FallenAu geboren, wächst ohne viel Pipapo heran, geht zur Schule, in die Tischlerlehre beim Herrn Hallhuber, macht seine Gesellenprüfung. Da hält er schon Künstler werden mögen, aber dürfen hat er sich nicht getraut. Vom Mai bis Juli 1902 besucht er schließlich die Varieteschule des Herrn Hermann Strebel. Stante pede folgt sein erstes Engagement in Nürnberg. Kurz drauf stirbt der Vater Johann Valentin Fey, und die Karriere des spindeldürren Männleins ist erst einmal beendet. 1911 heiratet Karl Valentin das Dienstmädchen Gisela Royes, die bei den Feys in Stellung ist und mit der er bereits zwei Töchter hat. Im selben Jahr lernt er das Fräulein Elisabeth Wellano kennen. Sie ist Verkäuferin bei Hermann Tietz mit Drang zur Bühne. Schließlich ist ihre Mutter die Tochter eines Orgelbauers. Da hat man das Künstlerische schon arg im Blut. Aus dem Frl. Wellano wird die Liesl Karlstadt: Stichwortgeberin, Geliebte, Terminkalender. Von ihr soll das legendäre Isopropilporophemilbarbitursaurephenil1924 gastieren der spinnerte Teifi und seine Partnerin in Berlin. Kein Geringerer als Peter Panter, alias Tucholsky, schreibt in der Weltbühne: "Er ist sanft und zerbrechlich, schillert in allen Farben wie eine Seifenblase; wenn er plötzlich zerplatzte, hätte sich niemand zu wundern Und Alfred Polgar weiß: "Sein Humor, eine wunderliche Mischung aus Schwachsinn und Tiefsinn, ist metaphysische Clownerie Sogar der damals noch junge Bertolt Brecht liegt ihm zu Füßen.

Das tut später dann auch der Hitler Adolf, der dem Valentin zum 60. Geburtstag sogar einen persönlichen, handgeschriebenen Glückwunsch schickt. Schließlich ist der Valentin weder jüdischer Abstammung noch Kommunist "Bayerische Talmudik" nennt Alfred Kerr, was für die Nazis urdeutscher Humor ist. Eine kleine Kostprobe: Eine Frau denunziert ihren Nachbarn als Spitzel. Der Mann bestreitet, die Frau überhaupt zu kennen. Das veranlaßt die Frau zu der Bemerkung, da er sie ja nicht kenne, kenne sie ihn ja auch nicht. Beide verlassen die Szene.

Den Rosenmontag am 9. Februar 1948 nutzt Valentin "vollinhaltlich", wie es im von ihm so gern parodierten Amtsdeutsch heißt: Er stirbt. Über Karl Valentin ist viel geschrieben worden. Matthias Biskupek ist es gelungen, mit dem Ton seiner Biographie dem bayerischen Original gerecht zu werden. Ich rekommandiere dem geneigten Leser diese Biographie als urwüchsige Valentinade. Ein schöneres Kompliment für dieses Buch hab i grad net parat. Meike Behrendt Eine Bildbiographie; Gustav Kiepenheuer Verlag, Leipzig 1993; 142 S, Abb, 39 80 DM