Der blinde Maks galt als der unumstrittene Gaunerkönig von Lodz. Von seinem Büro konnten die Betrogenen und Zukurzgekommenen rasche, unbürokratische Hilfe erwarten. Mit den staatlichen Instanzen hatten sich der blinde Maks und seine Mitstreiter dank eines wohldurchdachten Bestechungssystems arrangiert. Bis die Deutschen kamen und aus Lodz das Ghetto Litzmannstadt und aus Polen ein Generalgouvernement machten. Jetzt sollte sich zeigen, daß an den neuen Herren jede menschliche Regung wie Habgier und Gewinnsucht abprallen mußte, so sehr waren sie von ihrer Aufgabe durchdrungen. Nutzlos waren daher die riesigen unterirdischen Lederlager der Gauner, die man erst nach Kriegsende fand. Nutzlos, weil sie in der Vorstellung eingerichtet wurden, daß es noch so etwas wie Zukunft geben könnte.

Fünfzig Jahre Distanz hat der jüdische Arzt und spätere Journalist Arnold Mostowicz gebraucht, bis er seine Erinnerungen zu Papier bringen konnte ("Der blinde Maks oder Passierschein stens zwei antisemitische Wellen seine Heimat Polen überschwemmten. Und als hätte dieser lange Zeitraum nicht gereicht, hat er seine Erlebnisse in der dritten Person geschrieben und so die Distanz noch vergrößert. Erst dieser dritten Person kann er seine Zweifel und Schuldgefühle anvertrauen. Denn daß er das Ghetto von Lodz und später Auschwitz überlebte, hat er neben dem Zufall wahrscheinlich nur seinem Beruf zu verdanken. In einer klaren, unprätentiösen Sprache berichtet Mostowicz aus seiner Vergangenheit. Von kleinen Siegen und großen Verlusten handelt dieses Buch, aber auch vom Alltag in Extremsituationen, in dem es sogar zu einem Fußballspiel zwischen der SS und den Häftlingen kommt. Elke Schubert