Von Christoph Drösser

Es sei "ein Wunder, daß Hubble in seinem jetzigen Zustand überhaupt funktioniert. Aber ein noch größeres Wunder wird nötig sein, um das Teleskop zu reparieren." So bissig kommentiert der Astrophysiker Eric Chaisson die für diese Woche geplante Reparatur des Hubble-Weltraumteleskops.

Er weiß, wovon er spricht: Chaisson forschte jahrelang am Space Telescope Science Institute in Baltimore und war dessen Sprecher, bis er im letzten Jahr seinen Job an den Nagel hängte – frustriert von der Arbeitsweise der Nasa, die seiner Meinung nach die Fähigkeit zum Management komplexer technischer Projekte verloren hat.

Wohl kaum ein Unternehmen hat der amerikanischen Weltraumagentur so viel Spott eingetragen wie das fehlsichtige Superfernrohr. Das Hubble-Teleskop sollte die Geheimnisse des Universums entschlüsseln helfen – aber seit seinem Start im April 1990 häufen sich die Hiobsbotschaften über das vier Milliarden Mark teure Gerät. Am peinlichsten war wohl die Geschichte mit dem Spiegel, der von der Firma Perkin-Elmer mit bis dahin unerreichter Präzision geschliffen worden war – allerdings nach einer falschen Vorschrift, die ihn am Rand etwa, zwei tausendstel Millimeter flacher machte als eigentlich erwünscht. "Ein perfekter Fehler", meint Chaisson sarkastisch. Der ringförmige Spiegel von 2,40 Meter Durchmesser war auf der Erde nie wirklich getestet worden, so daß der Fehler erst auffiel, als Hubble seine ersten unscharfen Bilder aus dem All herunterfunkte.

Aber die verhangene Optik ist nicht Hubbles einzige Macke. Alle 48 Minuten schlägt der Weltraumvogel buchstäblich mit den Flügeln: Immer dann, wenn das Teleskop in den Erdschatten eintritt oder aus ihm hervortritt, verziehen sich die von der europäischen Raumfahrtagentur Esa gelieferten Sonnenpaddel und lassen das gesamte Teleskop erzittern. Von den sechs Gyroskopen, mit denen Hubble gesteuert wird, sind bereits drei ausgefallen – der nächste Ausfall würde das Teleskop manövrierunfähig machen. Und der Bordcomputer (Speicher: 48 Kilobyte) hat schon zwei von fünf Modulen verloren.

Das Wunder, von dem Eric Chaisson spricht, liegt darin, daß dieser Weltraumkrüppel bisher trotz alledem ein wissenschaftlicher Erfolg gewesen ist. "Hubble ist der Held dieser Geschichte, es produziert Spitzen-Wissenschaft, die von keinem anderen Teleskop der Welt erreicht wird", sagt Eric Chaisson nicht ohne Stolz. Die Forscher in Baltimore haben es geschafft, Hubbles Fehler zumindest teilweise zu korrigieren. Das periodische Zittern der Sonnenpaddel ist inzwischen mathematisch so genau analysiert, daß es durch Gegensteuern der Gyroskope weitgehend kompensiert wird. Und die verschwommenen Bilder des Teleskops lassen sich meist durch elektronische Bearbeitung klären.

Der Fehler in der Hubble-Optik beeinflußt nämlich nicht die Auflösung des Teleskops. Und die ist trotz des relativ kleinen Spiegels etwa zehnmal so groß wie die eines jeden anderen Fernrohrs auf der Erde. Auch umfangreichere Spiegel am Boden verbessern die Auflösung nicht, weil sie immer durch die Atmosphäre blicken müssen, die die Sterne funkeln und flimmern läßt. Größere Teleskopspiegel sind lediglich größere "Lichteimer" – sie fangen Photonen von scheinbar schwächeren Lichtquellen ein und können damit weiter ins All hinausspähen.