Zu den etwas neueren Elementen im Hauptstadtchaos zählt die Begeisterung der Berliner CDU für Christo. Wenn es um den Umzug geht, ist kein Vorurteil mehr heilig.

Bekanntlich will der Künstler den Reichstag verhüllen. Ein hübscher Einfall, der bisher nicht realisierbar schien.

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Nun jedoch dies: Mit Telefax teilt der Berliner Bundessenator Peter Radunski die alleraktuellste Entwicklung mit: "Die Idee Christos ist so aktuell wie nie."

Wie nie! In der Tat: Erstens müßte der Ältestenrat spätestens im Dezember zustimmen, wenn die Reichstagsverhüllung im Spätsommer, vor Beginn der Asbestsanierung, tatsächlich stattfinden soll. Und das soll sie. Denn zweitens braucht das bekanntlich von Bonner Verschleppern bedrohte Umzugsprojekt dringend neuen Auftrieb, neudeutsch: momentum.

In diesem Sinne könnte Christo, hofft Radunski, symbolisch wirken. Auf die Verpackung kommt es an, auch wenn sie nur vierzehn Tage dauern soll: "Christo soll den Reichstag einpacken und den Deutschen Bundestag wieder auspacken." Damit würde der Künstler, faxte der Senator an die Redaktionen, "den Reichtstag begrifflich als Deutschen Bundestag etablieren".

Die Verhüllung als Verwandlung: In der Nutzbarmachung verblaßt der ursprüngliche Charme der Idee.