"Die Zeit der Zerreißproben" (Band 6) führt in die aufgewühlte Epoche zwischen 1274 und 1449. Endzeitfieber in den Gemeinden, himmelschreiende Mißstände in der Kirchenführung, aufmüpfige Laien und wortgewaltige Bettelmönche, theologische Kontroversen, die Machtpolitik im Kardinalskollegium wie die private Frömmigkeit im stillen Kämmerlein - alles hat in diesem Panorama seinen Platz. Weihrauch wird insgesamt erfreulich wenig geschwungen, dafür in Band 8 ("Die Zeit der Konfessionen, 1530 162030") der christliche Hexenwahn schonungslos seziert, die widersprüchliche Vielfalt des entstehenden Protestantismus von den katholischen Autoren kenntnisreich und ohne falschen Zungenschlag und die Wirkungen der Gegenreformation durchaus skeptisch aufgefächert.

Peinlich ist in Band 12 ("Erster und Zweiter Weltkrieg. Demokratien und totalitäre Systeme 1914 1958") ausgerechnet der deutsche Beitrag über Kirchen und Theologie im Nationalsozialismus, voller Apologetik und Selbstmitleid. Glücklicherweise rücken die nichtdeutschen Autoren in anderen Kapiteln diese Sicht der Dinge zurecht. Ansonsten haben deutsche Theologen und Kirchenhistoriker bei dem Pionierunternehmen, das keine Weltgegend ausläßt, nichts zu melden. Sie fungieren nur als Bearbeiter dieser Übersetzung einer französischen Originalausgabe. Gewiß geht niemand mit allen Interpretationen konform. Doch wer es genau wissen will, wird sich an dieser "Geschichte des Christentums" nicht satt lesen.

Aus dem Englischen von Wolfdietrich Müller; Campus Verlag, Frankfurt a M New York 1993; 743 S, bis 31 12 1993:168- DM, danach 198 - DM Bd. 6: Die Zeit der Zerreißproben (1274 1449); 912 S ; Bd. 8: Die Zeit der Konfessionen (1530 162030); 1260 S ; Bd. 12: Erster und Zweiter Weltkrieg.

Demokratien und totalitäre Systeme (1914 1958); 1248 S ; Herder Verlag, Freiburg 1991 1993; Abb , pro Band bis 31 12 1993:198- DM, danach 248 -DM