Ein Lichtlein brennt. Jetzt schnell etwas Erbauliches für all die Mühseligen und Beladenen in den rutschnassen Shopping-Centers da draußen, denen die Last eines schweren Schicksals die Einkaufstüten noch schwerer werden läßt, das Ende einer großen Liebe vielleicht, schrecklicher Trennungsschmerz, so als würde einen ein knallrotes Feuerwehrauto überfahren oder das Lieblingskaninchen in den Finger beißen – wir kennen das. Ihr da, ihr Getrennten, euch Trennenden, wo seid ihr? Hört ihr uns?

Wir sind bei euch. In Gedanken greifen wir einen Einsamen, Verlassenen aus der Menge heraus (einen von euch!) und zoomen uns in seine Wohnung unter irgendeinem Dach. Vielleicht dichtet er gerade eine tränentriefende Botschaft an die Verfließende. Vielleicht will er ihr gerade, die Brust vor Edelmut gebläht, den schnöden Seitensprung verzeihen, vielleicht gar heldenmütig den eigenen gestehen. Aber da muß er sich schon vom vielen Leiden erholen und hämmert, zerstreuungswillig, auf die TV-Fernbedienung ein. Und ihm erscheint eine Pressekonferenz.

Da erklärt ein Mann hinter einem unvorstellbar geschmacklosen Brillengestell seinen Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten. Er hat nichts anderes gewollt, als durch anständige Pionierarbeit in einem neuen Bundesland seinen Profit zu mehren. Er hat nicht seinen Dienstwagen ans Ehegespons ausgeliehen, er hat versucht, sein Dienstwagenprivileg zu verrenten und geldwerten Vorteil zu Bargeld zu machen. Man dankt es ihm nicht. Seine Ehre ist verletzt. Die Kampagne wird irgendwo gesteuert. Er muß seine Familie schützen. Er tritt zurück.

Unser Mann im Dachstübchen reckt sich, plötzlich zu unnachgiebiger Härte entschlossen. Er tritt unter seinem Dach hervor und zieht nach Sachsen-Anhalt, ein spätes, häßliches Mädchen zu heiraten. Nicht um der Liebe willen, sondern wegen der Steuervorteile. Er will Gutes tun, es soll sich aber auch lohnen. Unser Mann ist geheilt, die Welt hat ihn wieder.

Das Dachstübchen: leer. Der Schneematsch matscht. Kein Lichtlein brennt. Und die Liebe, die sonnenwarme, höllenheiße, schneeklare, ansonsten unbeschreibliche? Ach, die Liebe! Ach was. Finis