Der Mann, der da im schwarzen Ledersessel in seinem großen Amtszimmer sitzt und ein Zigarillo pafft ("Stört Sie’s, wenn ich rauche?"), der dem Frager enthusiastisch antwortet, umgibt sich nicht mit einer hoheitsvollen Aura, nur mit blauen Wölkchen. Roman Herzog ist entgegenkommend. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts verbreitet keine autoritäre Atmosphäre. Jetzt scheint er noch gesprächswilliger als sonst, das Aktenstudium hat er beiseite geschoben.

Mit seiner vorerst nur durch die Medien schwirrenden Kandidatur hat er Probleme, aber die Koketterie kann er trotzdem nicht lassen: "Ich sag’ immer: Mir ist jeder Bundespräsident recht, wenn er nicht Herzog heißt." Der Chronist lacht ihn gelinde aus. Da bricht es – ganz niederbayerisch – aus ihm heraus: "Ja, gell, des läuft jetzt her, und dann kriegt man irgendwann auch – so ist es bei mir, und ich spür’s auch bei meiner Frau – die große Wut und sagt, wenn schon, dann mach’ mer’s aber dann. Wie ich immer ganz kriegerisch sage: Dann nehmen wir das Messer zwischen die Zähne und stürzen uns ins Getümmel des Ja. Aber noch ist meine Leidenschaft nicht so groß!" Ein merkwürdig schwankendes Bekenntnis.

Als "Typ des nüchternen Kalküls" wird Roman Herzog charakterisiert. Er sagt: "Das stimmt so. Das ist auch der Grund, warum ich mich jetzt nicht endgültig festlege: Ich kenne ja nicht alle Fakten. Ich warte eben wirklich auf eine möglichst umfassende Kenntnis der Situation, dann schlaf ich zweimal drüber, und dann weiß ich auch, was ich will."

Wer ergründen will, warum Herzog ein Konservativer sein soll, kommt ins Grübeln. Vielleicht wegen seiner heute noch taufrischen Rede vom 17. Juni 1988, als er sich zu einem eigenen, widerborstigen und emotionalen Nation-Begriff bekannte? Aber er hatte damals auch gesagt: "Wer die Frage der fortbestehenden deutschen Nation so empfindet, der will doch keine Deutschtümelei im längst vergangenen Sinne, der denkt nicht an nationale Weihestunden, der denkt nicht an Regimentsmarschmusik und nicht an heroisch vorgereckte Unterkinnknochen, wie wir sie aus der Vergangenheit noch so übel in Erinnerung haben."

Am ehesten hat Herzog als Innenminister in Baden-Württemberg (1980 bis 1983) konservative Wellen ausgesandt. Damals führte er eine Polizeikostenverordnung ein, die etwa Sitzblockierer mit den Kosten der Polizeieinsätze belastete.

Später aber war er maßgeblich an der epochalen Brokdorf-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zugunsten freier Demonstration beteiligt. Heute redet er ein bißchen zögernd darüber. Er befürchtet, daß ihn die harten Konservativen in der Union für einen "liberalen Weichmacher" halten. Allerdings können die mit dem Sitzblockaden-Urteil getröstet werden. Da war er wieder auf der Seite der Polizei.

Roman Herzogs Lust an Zynismen und Witzchen stört so manchen in seiner Umgebung am meisten. Er hat aber auch zu sich selbst kritischen Abstand: "So wie ich vieles in Anführungszeichen sehe oder sage oder denke, mit leicht ironischer Relativierung, so sehe ich mich selber auch." Dann fällt ihm eine Anekdote ein: